Personaler Blog

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19 August 2008 - 19:40Die Lügen der Personaler

Und wieviele Personaler beluegen den Bewerber, wenn es um Mitarbeiterfoerderung, Aufstiegschancen, etc. geht?

Dieses Zitat ist ein Kommentar von Didi auf meinen Beitrag über gefälschte Lebensläufe. Ein äußerst interessanter und wichtiger Kommentar, der einen Sachverhalt beim Namen nennt, den ich vor allem beim Head Hunting, aber auch von Personalern in einer Personalabteilung kenne. Wenn ein Bewerber gewollt wird, dann wird das Gras grüner und der Himmel blauer. Die vermeintliche Stelle wird auf einmal zum Sprungbrett für den Karrierestart und Sätze wie “Wer hier ein Jahr arbeitet, der wird später überall in der Branche genommen!” kommen nur allzu leicht über die Lippen. Auch wenn das Unternehmen branchenweit vollkommen unbekannt ist. 

Strategisch betrachtet machen Lügen (oder Übertreibungen) im Bewerbungsgespräch nur Sinn, wenn man dringend kurzfristig einen Mitarbeiter braucht, den man nach kurzer Zeit schon wieder entbehren kann, oder auf Positionen, wo das Monitoring sehr hoch ist und die Kosten für die Einarbeitung gering sind.

Möchte man Mitarbeiter länger halten und sucht man nach Potential- und Leistungsträgern, dann sind Übertreibungen weniger angebracht. Während der Head Hunter oder Personaler oft nach 3 Wochen gar nicht mehr weiß, was er genau erzählt hat, bleibt dies beim neuen Mitarbeiter lange im Gedächtnis. Wenn das Einstellungsgespräch nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt, dann verschlechtert dies die Mitarbeiterbindung und die Jobzufriedenheit. Etwas, das man gerade bei dieser Mitarbeitergruppe verhindern möchte.

Neben einer tatsächlichen Übertreibung gibt es natürlich auch noch den Fall das der neue Mitarbeiter eine ehrliche Beschreibung als Übertreibung wahrnimmt. Dies ist vor allem der Fall, wenn der Mitarbeiter nicht das verspricht, was man von ihm erwartet. Wenn ein Personaler von einem “High Potential Entwicklungsprogramm” oder einem “MBA nach einem Jahr” spricht, sich aber in den ersten Monaten herausstellt, dass der neue Mitarbeiter nicht dafür geeignet ist, dann fühlt sich der Mitarbeiter bestimmt betrogen, nur wurde er nicht angelogen. Das Programm gibt es zwar und es stimmt alles was im Vorstellungsgespräch gesagt wurde, dennoch erzählt der Mitarbeiter seinen Freunden, Verwandten und manchmal auch den Unternehmensbewerungsportalen, wie er im Vorstellungsgespräch belogen wurde. (Da helfen auch kaum Feedbackgespräche, denn die Einsicht, das man für eine Sache nicht gut genug ist, fehlt den meisten Menschen.)

Moralisch ist ein Lügen / Übertreiben natürlich nicht vertretbar.

Aber um auf den Kommentar von Didi zurückzukommen: Das Personaler im Bewerbungsgespräch übertreiben könnten, ist natürlich keine Rechtfertigung für einen gefälschten Lebenslauf, aber genauso anzuprangern.

Christian Reiss | 2 Comments | Tags: Allgemein, Recruiting, Retention Management

Comments:

  1. [...] um am Ende nicht enttäuscht zu werden.Quellen10 Biggest Lies Headhunters Tell You via Business.comDie Lügen der Personaler via Personaler OnlineFalsche Versprechungen: Das erzählen Personaler via Karrierebibel  [...]

  2. [...] Material von lecturio, personaler-online, business.com, [...]

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