26 März 2008 - 10:28Einstellungsinterview : Coachen Sie den Bewerber
In einem aktuellen Artikel des Journals of Organizational Behavior beschreiben die Autoren Todd J. Maurer, Jerry M. Solamon und Michael Lippstreu ein Experiment, bei dem sie die ReliabilitÀt und die ValiditÀt von Einstellungsinterviews erhöhen konnten.
Mit Einstellungsinterviews versucht nahezu jedes Unternehmen zu entscheiden, ob ein Bewerber die nötigen Kompetenzen fĂŒr eine Stelle hat, oder nicht. Strukturierte Interviews sind dabei das Mittel der Wahl, um möglichst objektiv die Bewerber bewerten zu können. Interviewer werden zu diesem Zweck geschult und manchmal gibt es sogar zwei Interviewerm die einen Bewerber bewerten. FĂŒr die Interviewerseite wird alles getan, damit MeĂfehler so klein wie möglich gehalten, die Kompetenzen des des Bewerbers so genau wie möglich ermittelt werden.Â
Die Autoren der Studie gehen der Frage nach, was man tun kann, damit der Bewerber gut auf das Interview vorbereitet ist. Damit ist nicht eine Vorbereitung a la “LĂ€cheln, KostĂŒm anziehen, Augenkontakt halten” gemeint, das wĂŒrde die MeĂfehler auch eher vergröĂern. Gemeint ist ein Coaching der Bewerber, das Ihnen den Interview- und Bewerbungsprozess erklĂ€rt, um so deren Ăngste vor dem Interview zu nehmen. Noch wichtiger ist es, den Bewerber so auf die Fragen vorzubereiten, dass er auch “richtige” Antworten gibt und nicht Dinge verschweigt, die dem Interviewer wichtig sind. Es geht um das wahre Können des Bewerbers, das der aus unterschiedlichen GrĂŒnden nicht immer in der Interviewsituation preis gibt. Â
Wie viel einfacherer wÀre es, wenn der Bewerber im Interview bereits gut strukturierte Antworten zu den Qualifikationen in seinem Leben im Kopf hÀtte, bevor er in ein Interview geht, anstatt immer wieder geistig hin- und herzuspringen, wenn ihm etwas vermeintlich Wichtiges einfÀllt. Es geht also darum, den Bewerber so vorzubereiten, dass er relevante Antworten gibt, die sein gesamtes Know-How wiederspiegeln.
Die Studie zeigte, dass die ValiditĂ€t sich signifikant erhöhte, wenn ein Bewerber auf ein Interview vorbereitet wurde. Deshalb plĂ€dieren die Autoren der Studie dafĂŒr Bewerber auf Interviews stets vorzubereiten. Neben der Erhöhung der ValiditĂ€t des Einstellungsinterviews sprechen Todd J. Maurer, Jerry M. Solamon und Michael Lippstreu auch andere positive Nebeneffekte an, die eine Vorbereitung mit sich bringt. Bewerber erhalten einen Einblick in den Interviewprozess und nehmen dadurch die prozedurale Gerechtigkeit des Einstellungsprozesses als höher war. Dies hat wiederum positive Auswirkung auf das Image und die ProfessionalitĂ€t des Unternehmens.
Die Vorbereitung von Bewerbern auf das Interview scheint nach den Ergebnissen der Studie sinnvoll zu sein. Ob der Aufwand fĂŒr diese ValiditĂ€tssteigerung gerechtfertigt ist, ist sicherlich von der Art abhĂ€ngig, wie man eine sinnvolle Vorbereitung der Bewerber, aufziehen kann. Ein Informationsblatt ĂŒber den Bewerbungsprozess wĂ€re der MĂŒhe wert, doch ob sich dort ein Ă€hnlicher Effekt, wie in der besagten Studie wiederholen lĂ€Ăt, bei der der Bewerber Face-to Face vorbereitet wurde, bleibt abzuwarten.
Christian Reiss | 1 Comment | Tags: Personaldiagnostik, Recruiting, Personalauswahl

26 Mrz 2008 - 23:24
[…] mal wieder im Personaler-Blog gelesen: ein Bericht ĂŒber eine Studie, bei der im Vorfeld zu AuswahlgesprĂ€chen die Bewerber vorbereitet wurden. Idee: […]