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11 Januar 2008 - 13:51Elternzeit und Schwangerschaft

Einen neuen Eintrag in der Karriere-Bibel hat Jochen dem Thema Schwangerschaft gewidmet. Wann sollten junge Mütter ihrem Chef sagen, dass sie schwanger sind? Dieses Problem beschäftigt viele werdende Mütter. Dabei ist es traurig, worauf gestern auch Isa hingewiesen hat, dass dieses Thema überhaupt ein Problem in unserer Gesellschaft darstellt.

Wenn man die Schwangerschaft aus der Sicht eines Chefs oder der Personalabteilung sieht, ist doch nicht die Schwangerschaft selber, sondern die eventuelle Elternzeit wichtiger, um planen zu können. Hier muss der Elternzeitnehmer (Mann oder Frau) mindestens sieben Woche vor Inanspruchnahme der Elternzeit dem Arbeitgeber unterrichten. Da erscheint doch die Frage, ob man dem Chef 8 oder 5 Monate vor dem Mutterschutz von der Schwangerschaft erzählt, auf einmal ziemlich harmlos. Innerhalb von 7 Wochen (in begründeten Fällen übrigens auch weniger) einen adequaten Ersatz auf eine Stelle mit komplexen Anforderungen zu finden, ist nicht einfach und wird im Zuge des Fachkräftemangels auch nicht einfacher.

Der Anteil an Männern, die 2007 Elternzeit nahmen, ist gestiegen. Doch wer denkt, dass Männer nur 2 Monate in Elternzeit gehen, der irrt. Die meisten Männer gehen zwar genau für 2 Monate in die Elternzeit, weil sie nur zwei Monate Elterngeld bekommen, können aber theoretisch 3 Jahre Elternzeit nehmen.

Im Gegensatz zur Mitarbeiterin die schwanger ist, kann man es bei einem männlichen Mitarbeiter also gar nicht voraussehen, ob er in 7 Wochen in Elternzeit geht. Die Elternzeitregel gilt übrigens auch bei angenommenen Kindern, bis zu deren vollendeten 3ten Lebensjahr. Die Elternzeitfrage kann also wesentlich überraschender und mit mehr Arbeit für den Chef verbunden sein, als die Schwangerschaft einer Mitarbeiterin.

Nun möchten viele Paare mehr als 1 Kind, dann kann sich die Elternzeit verlängern. Für jedes Kind kann der Arbeitnehmer Elternzeit nehmen. Wenn sich ein Arbeitnehmer also in der Elternzeit befindet und dem Arbeitgeber mitgeteilt hat, dass er 2 Jahre weg sein wird, können bei einem weiteren Kind noch mal bis zu 3 Jahre angehängt werden. Wenn man die Fluktuation mancher Branchen betrachtet, kann es sogar möglich sein, dass der Elternzeitnehmer, wenn er nach 5 Jahren wieder zur Arbeit kommt, auf einmal niemanden dort mehr kennt.

Um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, wenn ein Mitarbeiter in Elternzeit geht, können sie folgendes tun:

  • Bauen Sie ein Wissensmanagementsystem auf, um das Wissen in der Firma zu halten, auch wenn der Mitarbeiter geht.
  • Seien sie FREUNDLICH UND HÖFLICH, wenn Sie davon hören, dass ein Mitarbeiter ein Kind bekommt und Elternzeit nimmt. Dann gibt der Mitarbeiter seiner Vertretung vielleicht auch noch am Anfang seiner Elternzeit telefonisch Tipps und klärt ungeklärte Fragen.
  • Gestalten Sie ihre Recruitingprozesse effizient.
  • Halten Sie gegebenfalls Kontakt zu Head-Huntern etc.
  • Entwickeln Sie ein positives Unternehmensklima in Bezug auf Schwangerschaft und Elternzeit. Wenn Ihre Mitarbeiter Angst haben davon zu berichten, werden Sie damit bis zum letztmöglichen Zeitpunkt warten und Sie verlieren Zeit zum planen und Handeln!
  • Lernen Sie das Gesetz zum Elterngeld und zur Elternezeit kennen.

Christian Reiss | 4 Comments | Tags: Arbeitsrecht, Führung, Recruiting

Comments:

  1. Anna Beyer says;
    08 Sep 2010 - 10:07

    Es ist zwar interessant diesen Beitrag zur Elternzeit aus Personaler-Sicht (die ich bin) zu lesen, wäre aber hilfreich,wenn Unternehmen von Vornherein ihre Mitarbeiter besser über Schwangerschaft, Elternzeit und Elterngeld informieren würden, um ihren Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass sie volle Unterstützung seitens des Arbeitsgebers zu haben- auch die emotionale Ebene sollte nicht vernachlässigt werden.Immerhin ist ein kind immernoch Grund zur Freude und nicht nur zum Ärger von Personalern, Chefs und Vorständen!
    Ich weiß aus Erfahrung,dass die meisten Arbeitnehmer einfach unzureichend informiert sind über Elternzeit und co.,weil viele schwangerschaften ungeplant entstehen. Darum würde ich mich freuen,wenn auf dieser Seite konkrete Informationen zu dieser Thematik eingestellt werden.
    Eine recht gute Zusammenfassung aller wesentlichen Informationen zum Thema Elternzeit findet sich z.B. hier:
    http://www.9monate.de/elternzeit.html

  2. ich hab hier mal einen Artikel zum Arbeitsrecht in und nach der Schwangerschaft gefunden:http://www.arbeitsrechtschwangerschaft.de/2010/09/02/in-der-schwangerschaft-sollte-man-einiges-wissen/

  3. Susanne Meyer says;
    11 Mrz 2011 - 19:06

    Hallo,

    Ich habe vor kurzem noch einen interessanten Artikel zu diesem Thema gelesen. Dieser Artikel beleuchtete nicht nur die aktuell ansteigende Zahl von Vätern die in Elternzeit gehen, sondern auch Patchwork Familien die Kinder adoptieren oder Pflegekinder aufgenommen haben.
    Elternzeit und Patchwork Familien.

    Vielleicht ist der für euch ja auch interessant.

    Lieben Gruß,
    Susanne

  4. Ich sags Ihnen mal auf meine Art, lieber Chef:

    Wenn deine Angestellten und Arbeiter keinen “steuerzahlenden- und arbeitenden” Nachwuchs produziert könnt ihr eure Firma echt bald zumachen oder nach Indien oder China verlagern wo es reichlich billige Arbeitskräfte gibt.

    Nachdem ihr Chefs also eure Angestellten und Arbeiter jahrelang geknebelt und gestresst habt macht ihr also einfach im teuren Deutschland irgendwann euren Laden zu und im Ausland wieder auf… sicher muss man dort auch viel weniger Steuern zahlen und von wegen Arbeitsrecht… da könnt ihr euch dann erst mal so richtig darüber hinwegsetzen und austoben.

    Deutschland sollte mehr Kinder produzieren und das sollte vor allem viel mehr gefördert werden.

    Robert Reichert

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