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13 Mai 2009 - 10:39He Coach, ist deine Anteilnahme echt?

Vielleicht sollte ich es als Psychologe besser wissen, aber Gespräche mit Therapeuten und Coachs finde ich meistens schrecklich. Nicht dass ich einen immensen Bedarf an Therapiegesprächen und Coachings habe, aber viele meiner Kollegen und Freunde sind natürlich Therapeuten (wenige Coachs) und man spricht schon einmal miteinander. Letzte Woche sprach ich mit einem Studienkollegen, der Therapeut ist. Man hatte sich lange nicht gesehen und fragte wie es dem anderen geht. Man erzählte von seine Problemchen (ich meine natürlich Herausforderungen ;) ), als er folgende Sätze verstehend sagte: “Das fühlte sich sicherlich schlecht an. Ich kann mir gut vorstellen, dass es dich ärgerte.” Sowas sagt doch keiner. Das sind doch Therapeuten- und Coachphrasen. Das will ich nicht!

Es stört mich daran, dass es sich wie profesionelles Mitleideid oder professionelle Anteilnahme anhörte. Erstens spreche ich nicht privat mit jemanden um therapiert zu werden und zweitens weiß ich auch nicht, ob die Anteilnahme echt ist oder ob der Betreffende nach seiner professionellen Meinung denkt an dieser Stelle sei sie angebracht. Und wenn ich privat mit jemanden spreche, möchte ich echte, keine angebrachte Anteilnahme haben.

Das erinnert mich an den Sohn eines Möbelhausinhabers, der bei Bekannten auf dem Sofa saß und plötzlich, ohne Vorankündigung, mit einer Hand unter das Sofa griff und tastete, um zu schauen, auf welcher Möbelqualität er sitzt. Es gibt einfach Situationen, wo das Zurückgreifen auf die eigene Berufserfahrung nicht erwünscht ist. Wenn mir ein Bekannter beim Smalltalk sagt, dass er Bewerbung um Bewerbung schreibt, aber nie genommen wird, dann antworte ich auch nicht: “Vielleicht solltest du dich auf Stellen bewerben für die du qualifiziert bist.” Erst wenn er fragt, ob ich einmal seine Bewerbungsunterlagen anschauen kann, oder ob ich ihm ein paar Tipps geben könnte, sage ich dazu etwas.

Hilfe muss auch erwünscht sein und “Therapeutenmitleid” ist eine Art Hilfe. Also bitte bis zur terminierten Sitzung damit warten, danke.

Christian Reiss | 1 Comment | Tags: Allgemein, Coaching

Comments:

  1. Das ist wirklich ein interessantes Phänomen, Ich glaube, auch Ärzte leiden darunter, dass sie sich auf Parties mit den Symptomen ihres Umfeldes beschäftigen müssen. Andersrum geht es mir aber zum Beispiel auch so, dass ich auf das sonst übliche Spiel “Und, was machst Du so beruflich…?” meist keine Lust habe, weil ich mich ja schon den ganzen Tag mit beruflichen Werdegängen beschäftige. Leider funktioniert Kennenlernen meist nur so…

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