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23 Juni 2008 - 16:54Im Osten was Neues: die eLearning Baltics in Rostock

Raumgreifend thront die Stadthalle am Südring der Rostocker Südstadt. Hier fanden vom 18.-19. Juni die IT-Tage Mecklenburg-Vorpommern statt, die sich als Messekongress dieses Jahr auf die Anwendungsbereiche eLearning sowie eHealth konzentrierten. Der eLearning Teil fand unter dem Namen eLearning Baltics (eLBa) statt und war inhaltlich von dem ortsansässigen eLearning Anbieter Copendia vorbereitet worden. Die vom Wirtschaftsminister des Landes eröffneten IT-Tage hatten mit den Professoren Peter Baumgartner (Universität Krems) sowie Herrmann Maurer (Universität Graz) zwei akademische Zugpferde im eLBa-Programm, das den etwa 160 Teilnehmern jedoch keineswegs ein rein universitäres Workshop-Angebot machte.

So stellte Dr. Lutz Goertz vom MMB Institut für Medien- und Kompetenzforschung die Ergebnisse von zwei z.T. noch nicht veröffentlichten eLearning Potentialstudien für den Schulbereich und für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor. Unter den KMU sind es insbesondere größere Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich mit verteilten Standorten, die auf eLearning für die Mitarbeiter-Schulung setzen. Im Vergleich mit einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 1999 ergibt sich, dass KMU zwar nach wie vor zögerlich an das Thema eLearning herangehen, Unternehmen mit eLearning Einsatz aber mehrheitlich eine positive Bilanz ziehen, auch was die Akzeptanz der Lerner angeht. IT-Themen und Produktschulungen dominieren laut MMB-Studie nach wie vor die Hitliste der eLearning Themen.

In weiteren Workshops wurden die Entwicklung und Nutzung von digitalen Lerninhalten sowie soziale und kooperative Lernformen präsentiert und diskutiert. Publikumsmagnet waren Professor Maurers Warnungen vor der beispiellosen Sammlung persönlicher Nutzerdaten durch den „Großen Bruder“ Google und die Gefahren einer Plagiats- und Amateurkultur durch das Web 2.0, die schon auf der letztjährigen Online-Educa in Berlin für Diskussionsstoff sorgten. Originell: Professor Baumgartner stellte in seiner Rolle als Experte für eLearning Didaktik den eLBa-Contest vor, bei dem das beste eLearning Konzept für die Schulung eines Buddelschiff-Baus prämiert wurde.

Nachdem abends am Warnemünder Strand vor der Kulisse ein- und ausfahrender Ostseefähren „genetzwerkt“ und skandinavisches Boule mit Holzklötzen gespielt wurde, griff der Folgetag die Themen des ersten Tages wieder auf. Im Forum „Organisation der Weiterbildung in Unternehmen“ stellten Daniel Maaßen und Frank Weser die Einsatzkonzepte für eLearning bei der ThyssenKrupp Steel und bei Siemens Healthcare vor. Bei beiden Vorträgen wurde deutlich, dass eLearning in vielen Fällen eine zwingende Option ist, so z.B. für Servicetechniker von komplexen medizinischen Systemen, bei deren Schulung Qualität, Schnelligkeit, Kosten und Nachweisbarkeit von Schulungen wichtige Erfolgsfaktoren sind oder bei stichtagorientierten Compliance-Trainings, die bei ThyssenKrupp Stahl zu einem massiven Anstieg der Nutzerzahlen des firmeninternen eLearning Portals geführt haben.

Insgesamt ist die eLBa ein ausbaufähiges Konzept. Sie könnte das Thema eLearning endlich einmal als bundesweit beworbene Veranstaltung in die neuen Bundesländer bringen, ohne wie die akademische und EU-orientierte Online Educa in Berlin ein Raumschiff zu sein, das außer ein paar universitäre Aussteller kaum einen Bezug zum Berliner und Brandenburger Markt entwickelt hat. Das hieße, dass die eLBa, um sich zu etablieren, sowohl nicht-regionale Zugpferde als auch einen klaren Bezug zum regionalen Markt und dessen Entwicklung bräuchte. Unter diesem Markt könnte man in erster Linie die klein- und mittelständische Wirtschaft an der mecklenburgischen Ostsee verstehen. Man könnte sie aber, und das legt der Name eLearning Baltics nahe, auch als baltische Leitveranstaltung verstehen, die das Thema eLearning unter den Ostsee-Anrainer-Staaten treibt. Die Mischung der Anrainer-Staaten ist interessant und für den regionalen Austausch prädestiniert: hier gibt es eLearning Vorreiter wie Finnland und andere skandinavische Staaten sowie neue EU-Beitrittsländer, die in Sachen Bildung und Bildungstechnologie den Austausch suchen und benötigen. Rostock ist fährentechnisch bestens vernetzt mit den Anrainer-Staaten der „Baltic Sea“, warum also sollten hier nicht auch die „baltischen eLearning Fäden“ im Rahmen einer einjährigen Veranstaltung zusammenlaufen, bei der sich Rostock zum Nutzen auch der mecklenburgischen Wirtschaft als Makler etabliert?

Onno Reiners | No Comments | Tags: Allgemein, E-Learning

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