19 März 2008 - 14:28Mindestlohn für Praktikanten
Zeigen Sie mir den Praktikanten, der nicht genauso behandelt wird, wie ein festangestellter Absolvent. Die gestern veröffentlichte Studie über Praktika von jungen Menschen MIT abgeschlossener Ausbildung zeigte aus meiner Sicht Haarsträubendes. 51% der Praktikanten werden überhaupt nicht vergütet und als normale Arbeitskraft wurden ca. 80% der Befragten im Großteil ihrer Arbeitszeit eingesetzt. Wahrscheinlich ist der Anteil derjenigen, die als normale Arbeitskraft eingesetzt werden höher, aber wie sollen Abesolventen das wissen? Höchstens wenn zufälligerweise in ihrer Abteilung noch gerade auch ein Absolvent eingestellt wurde. Der “Klebeeffekt” lag gerade mal bei 22%. Weniger als ein Fünftel der Praktikanten wurden von ihren Arbeitgebern nach dem Praktikum angestellt.
Die Mißstände sind klar und jetzt auch in schriftlicher Form verewigt. Bundesarbeitsminister Scholz bemüht sich bereits der Ausbeutung der Praktikanten entgegenzutreten. Mit Klarstellungen im BGB soll erreicht werden, dass die Praktikanten angemessen entlohnt werden und nicht nur zu normalen Arbeitstätigkeiten herangezogen werden. Einen Mindestlohn, oder andere Gesetzliche Vorschriften wird es nicht geben.
Doch selbst dies ist dem Vizepräsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) Gerhard F. Braun schon zu viel. Er möchte keinerlei Einmischung seitens des Staates in die Entlohnung von Praktika. Seine Meinung dazu: Die Forderung nach “…zwingender Vergütung bedeutet das Aus beidseitig gewünschter Praktika“.
Der Punkt ist doch, Absolventen, die ein Praktikum in einem Unternehmen machen oder dort festangestellt werden, müssen auch das Gleiche lernen, denn die Wissensstände sind gleich. Wie kann man diese beiden Gruppen sinnvoll ungleich behandeln? Gar nicht. Deswegen liegt es in der Natur der Sache einen Praktikanten der bereits einen entsprechenden Berufabschluß hat, normal einzuarbeiten und demnach auch die normale Arbeit eines festangestellten Absolventen machen zu lassen.
Der Einsatz von Praktikanten als normale Arbeitskräfte ist somit völlig legitim. Jedoch ist die momentane Vergütung von Praktikanten vielerorts ein Unding. Sicherlich, anfangs muss man in den Praktikanten Resourcen investieren, doch je länger die Dauer des Praktikums ist, desto stärker rentiert sich das für den Arbeitgeber. Und wenn man ehrlich ist, würde kein Unternehmen Praktikanten einstellen, wenn die sich nicht bezahlt machen würden. Die Praktikanten nicht an ihrer eigenen Wertschöpfung zu beteiligen ist moralisch bedenklich! Ein branchenabhängiger Mindestlohn sollte deshalb eingeführt werden, gestaffelt nach der Praktikumsdauer. Denn je länger ein Praktikant in einem Unternehmen ist, desto länger wird er als normale Arbeitskraft eingesetzt.
Christian Reiss | 5 Comments | Tags: Compensation & Benefit, Allgemein

31 Mrz 2008 - 23:52
Warum muss immer gleich der Staat eingreifen? Viel wäre doch schon gewonnen, wenn die Vergütung von Praktikanten ein Stück transparenter würde. Wenn zum Beispiel auf entsprechenden Praktikumsbörsen das Thema stärker in den Vordergrund gestellt würde, könnten Praktikanten selbstbewusster eine Vergütung verhandeln. Lasst uns liebe erstmal ein Stück weit den Markt fördern, als gleich nach dem Staat zu rufen. Zumal der Schuss schnell nach hinten losgehen kann, wenn Praktika plötzlich gar nicht mehr angeboten werden.
25 Apr 2008 - 16:58
[…] Personaler Blog , […]
01 Mrz 2010 - 15:54
Ich wäre dafür, denn sie werden oft ausgebeutet!
16 Mrz 2010 - 20:45
Das der Staat eingreifen muss liegt klar auf der Hand. Ohne die notwendigen gesetzlichen Bestimmungen ist absolut nicht zu erwarten, dass Unternehmen die überaus günstigen und gut geschulten Praktikanten einstellen und von dem sehr geringen Personalkosten profitieren. In Spanien ist man diesem Problem begegnet in dem nur Studenten ein Praktikum aufnehmen dürfen. Alle anderen erhalten keinen Praktikumsstatus und müssen daher einen Mindestlohn mit samt Sozialversicherungkosten ausgestattet werden. Hierbei entfällt dann das sogenannte Lohndumping. Nichts desto trotz wird es immer einige findige Unternehmen geben die auch solche Gesetze unterlaufen. Im Großen und Gnazen jedoch ein guter Ansatz.
15 Jul 2010 - 22:06
Bei der Debatte gibt es natürlich immer die beiden Seiten der Medaille, das Unternehmen, welches ausbeutet und der Praktikant, welcher sich ausbeuten lässt. Grundsätzlich muss meiner Meinung nach nichts am Praktikum selbst reguliert werden, damit es für beide Seiten attraktiv bleibt. Es muss jedoch irgendwie verhindert werden, dass sich jahrelange Praktika-Karrieren entwickeln.