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6 Februar 2009 - 9:57Mitnahmementalität

Heute muss ich mich einmal aufregen und offtopic schreiben. Mittlerweile herrscht nicht nur an vielen Stammtischen die Parole, dass alles die Politiker schuld sind, sondern auch bei Fachjournalisten. Auf jeden Fall bei der Gesundheitsexpertin und Journalistin Sybille Herbert. Sie wurde heute auf WDR5 u. a. zu den jüngsten Gesundheitsreformen befragt. Dabei sprach Sie einen wunden Punkt dieser Reformen an, den ich nur ganz grob wiedergeben möchte: Für manche Krankheiten bekommen Krankenkassen mehr Geld, als für andere, weswegen Ärzte und Krankenkassen sich verbündet haben und dieses System ausnutzen, indem die Ärzte bei ihren Patienten die für die Krankenkasse “gewinnträchtigere” Krankheit angeben. Dafür werden die Ärzte wohl von manchen Krankenkassen besserentlohnt. Kurz gesagt, das System wird ausgenutzt.

Im Interview stellte sich die Frage der Schuld. Wer ist Schuld daran, dass dieses System ausgenutzt wird? Jetzt könnte man denken, dass diejenigen Schuld sind, die das System zu ihrem Vorteil ausnutzen und falsche Informationen weitergeben. Das sind sie aber nicht !? Laut Frau Herbert sind die Politiker schuld, die dieses nicht lückenlose System geschaffen haben. Die Ärzte und Krankenkassen sind ihrer Meinung nach nicht schuld.

Ärzte sind also über jeden Zweifel erhaben, wenn sie ihre Patienten ein wenig kranker schreiben als sie sind und Krankenkassen trifft keine Schuld, wenn sie Ärzte dazu auffordern. Für mich ist das eine sehr zweifelhafte Moral einfach nur falsch uind Betrug.  Nur weil es eine Lücke im Gesetz gibt, sollte man diese noch lange nicht ausnutzen. Und falsch ist es vor allem dann, wenn man falsche Angaben macht.

Die Schuld liegt eindeutig beim Täter und das sind Ärzte und Krankenkassen, während man den Politkern vorwerfen kann schlecht gearbeitet zu haben. Leider müssen Politiker Gesetze so entwerfen, dass es kein Schlupfloch gibt. Seit Jahren hat es sich eingebürgert jeden Vorteil mitzunehmen, den man aus einem Gesetz herausschlagen kann. Wer hier nicht versucht noch Wohnungsgeld mitzunehmen, dort nicht ein wenig die Daten frisiert um eine Förderung zu erhalten und da nicht ein wenig versucht die Steuer zu umgehen, der wird mitleidsvoll ausgelacht. Gerhard Schröder nannte diesen Umstand die Mitnahmementalität. In Wirklichkeit sollte man mit dem Finger auf solche Menschen zeigen und sich ärgern, dass sie den Staat um die Steuern bringen, die man selber eingezahlt hat, aber was machen viele? Sie klopfen demjenigen noch auf die Schulter und gratulieren zu diesem großartigen Coup. Grauenhaft ist das!

So, das musste ich mir einmal von der Seele schreiben.

Christian Reiss | 1 Comment | Tags: Allgemein

Comments:

  1. Die von Ihnen beklagten Aspekte sind zwangsläufige Nebenfolgen eines hochregulativen Staates, der dazu neigt jeden Aspekt des Lebens seiner Bewohner regeln zu wollen. Sind solche, den Bedürfnissen der Menschen zuwiderlaufende Regeln dann schon nicht mehr zu umgehen, so werden sie von rational denkenden und handelnden Individuen zumindest ausgenutzt, dort wo das möglich ist. Gewissermaßen als eine Art „Schadensersatz“. Da diese Gesetze zudem unter Ausschluss der Betroffenen beschlossen wurden, ist auch die Loyalität zu ihren Machern oder die Zustimmung zu den damit verfolgte Zielen quasi gleich Null.

    Wenn man das nicht haben will, muss man Politik, politische Problemlösungsversuche und Regulierungsdichte massiv abbauen. Alles andere wäre Selbstbetrug.

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