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20 Januar 2009 - 16:12Nur die Kontaktdaten

Letzte Woche hatte ich über einen Beitrag im Blog zu anonymisierten Lebensläufen im Bewerbungsprozess nachgedacht. Die Vorteile für die Unternehmen, die diese Lebensläufe bekämen wären rechtlicher Natur. Zum Beispiel schreibt das AGG die Gleichstellung vor und mit anonymisierten Lebensläufen würde man den Forderungen im Gesetz entgegenkommen. Kein Name mehr aus dem die Herkunft oder das Alter abgeleitet werden kann, kein Vorname der das Geschlecht offenbart, ausgewählt würde nur nach den Qualifikationen und Arbeitserfahrungen des Bewerbers. Eingeschränkt werden muss, spätestens beim ersten Vorstellungsgespräch ist es mit der Anonymität vorbei.

Erstaunt war ich jetzt über einen Beitrag im Bewerberblog zu den persönlichen Daten, die ein Bewerber in einer Bewerbung angeben sollte. Die Kontaktdaten Name, Straße, Ort, Telefon, leuchten mir natürlich ein. Erreichbar müssen die Kandidaten selbstverständlich sein, eine Anonymisierung der Lebensläufe würden sowieso erst nach Eingang der Bewerbung oder durch ein zwischengeschaltetes Unternehmen erfolgen. Aber warum sollten Familienstand und Kinder in den Lebenslauf eingetragen werden? Dies ist zwar als optional gekennzeichnet, aber meiner Meinung nach kann ein Unternehmen froh sein, wenn die Bewerber auf solche Informationen im Lebenslauf verzichten. Nachher heißt es noch man wurde nicht genommen, weil man im Lebenslauf seine Kinder angegeben hat. Also, bitte nur die Kontaktdaten, behalten sie ihre Privatsphäre für sich.

Christian Reiss | 5 Comments | Tags: Arbeitsrecht, Allgemein

Comments:

  1. Es überrascht mich, dass meine Auflistung erstaunt. In den Bewerbungen, die wir erhalten finden sich sehr häufig Angaben zur persönlichen Situation. Die etwas unwissenschaftliche Schnellevaluation der letzten 10 Bewerbungen auf meinem Tisch ergibt eine Quote von 7:3 zugunsten persönlicher Daten. Ist das bei Dir nicht der Fall? Nun ist uns Personalern allen klar, dass wir solche Angaben mittlerweile ebensowenig erfragen wie ein fehlendes Bewerbungsbild, was in nahezu 100% der Fälle vorhanden ist. Ich habe diese Angaben als optional angegeben, weil ich wirklich denke, dass es jedem frei gestellt sein sollte, ob er diese Angaben macht, oder nicht.
    Grundsätzlich hast Du allerdings recht, dass Angaben dieser Art die Gefahr für eine Entscheidung belangt werden zu können, erhöht. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, unterstütze ich Dein Abraten.

    Viel Grüße,
    Jeanette

  2. Hallo Jeanette,
    das letzte Mal, dass ich einen Batzen Lebenläufe auf dem Schreibtisch hatte, ist tatsächlich ein paar Jahre her, doch genau wie bei euch jetzt, stand auch damals in vielen Lebensläufen zumindest der Familienstand.
    Erstaunt war ich vor allem deswegen, weil ich mir Gedanken darüber machte, wie man die persönlichen Daten aus den Personalauswahlprozess herausbekommt (aus Unternehmenssicht). Und du schriebst man könne (optional) mehr Daten einfliessen lassen (aus Bewerbersicht). Das biss sich einfach.
    Beste Grüße,
    Christian

  3. Hallo Christian,

    ich teile Jeannettes Meinung, dass jeder selbst entscheiden sollte welche Angaben er oder sie in einer Bewerbung macht. Das AGG hat doch lediglich zu einer oberflächlichen Neutralität geführt. In den Betrieben entscheiden viele Arbeitgeber ausschließlich nach Ihren persönlichen Prinzipien. Und wenn die nicht ganz AGG-konform sind, lässt man sich nach außen halt was einfallen, oder schickt erst gar keine Absage raus. Und die Frage ob jemand eine Stelle “trotz” oder aber “wegen” der Angabe von Familienstand und Kindern erhalten hat kann nur derjenige beantworten der die Person eingestellt hat . Viele unserer mittelständischen Kunden betrachten Kinder zum Beispiel als ein Zeichen von Verantwortungsbereitschaft, eine Eigenschaft die in Betrieben bekanntermaßen geschätzt wird. Und spätestens im Vorstellungsgespräch ist es mit der Anonymität doch ohnehin vorbei, wie Du oben sehr richtig bemerkt hast. Und wer will, diskriminiert dann doch wieder!

  4. Hallo Jan,

    ich möchte niemanden das Recht absprechen selber zu entscheiden, welche Informationen er mit seiner Bewerbung wegschickt. Sicherlich hat der Familienstand und die Anzahl der Kinder einen diagnostischen Wert. Wie du sagst könnten hier Verantwortungsbereitschaft, o.a. fehlende Mobilität raus geschlossen werden. Wenn ein Bewerber versucht sich durch sein Privatleben positiv für eine Stelle darzustellen, dann soll er es tun.

    Da dies Kriterien sind, die aber nicht in die Personalauswahl einfliessen sollten, sage ich aus der Sicht des Personalers, dass ich Familienstand etc. gar nicht wissen möchte, auch wenn der Bewerber sie mir mitteilen möchte. Deshalb mein Plädoyer für die Kontakdaten und nicht mehr.

  5. Was man angibt ist nicht immer einfach. Die Unternehmen wollen natürlich immer möglichst viel wissen…
    Ich denke, man sollte eher mehr angeben, sofern es nicht negativ ausgelegt werden könnte. Spätestens im Bewerbungsgespräch werden dann die fehlenden Angaben ohnehin nochmals nachgefragt.

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