24 März 2010 - 13:13Tatsache: Personaler googeln Bewerber und nutzen die Informationen aus dem Internet
Googeln Unternehmen Bewerber? Letztens kommentierte ich erst einen Bericht der Zeit Online zu diesem Thema. Dort wurden 10 DAX Unternehmen befragt, ob sie Bewerber googeln. Zwei Drittel der Befragten verneinte dies. Nun wurde dieses Thema mit einem verdeckten Experiment systematischer betrachtet. Holger Brecht-Heitzmann, Marcel Gröls und Thorsten Reichmuth untersuchten ob kompromittierende Einträge im Internet wirklich einen Einfluss auf die Chancen eines Bewerbers haben.
Seit Jahren werden Bewerber davor gewarnt Informationen über sich in das Internet zu stellen, die negativ interpretiert werden könnten. Um dieses Thema ranken sich mittlerweile schon Geschäftsideen. Unternehmen bieten an persönliche Daten aus dem Internet zu entfernen. Auf der anderen Seite gibt es Internetdienste, die sich auf die Personensuche im Internet spezialisiert haben und nach der Eingabe eines Namens alle verfügbaren Informationen über diese Person aus dem Netz filtern. Aber, werden Bewerber zu recht gewarnt oder kann das Internet überhaupt nicht zur Karrierefalle werden?
In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Personalforschung erschien ein Artikel besagter Autoren, den ich euch ans Herz legen möchten, denn erstmals wird hier die Ebene der unsystematischen Befragung und der eigenen Meinung zu dem Thema verlassen. Dazu legten die Autoren im Internet eine Fake-Identität im Internet an, die bei Internetrecherche als homosexueller, linksextremer Scientologybefürworter auffallen würde. Diese fiktive Person bewarb sich bei 150 Unternehmen. Bei den gleichen Unternehmen bewarb sich auch eine fiktive Person über die nichts im Internet stand.
Beide Identitäten hatten einen sehr ähnlichen Lebenslauf und ihre Qualifaktionen waren vergleichbar. Wenn die Unternehmen Interesse an dem neutralen Bewerber hatten, über den nichts im Internet stand, aber nicht an der Fake-Identität kann angenommen werden, dass die Personaler im Internet recherchierten und das was sie dort fanden Einfluss auf den Auswahlprozesse hatte.
Tatsächlich bekam der neutrale Bewerber in 29,3 Prozent der Bewerbungen eine positive Rückmeldung, während dies bei dem Bewerber mit den kompromittierenden Informationen im Internet nur in 17,1 Prozent der Bewerbungen der Fall war. Die gleichen Unternehmen luden also, bei gleicher Qualifikation, häufiger den Bewerber ein, der keine negativen Informationen über sich im Internet hatte.
Dies zeigt zum einen, dass Unternehmen sich tatsächlich im Internet über Bewerber informieren und zum anderen, dass diese Informationen Einfluss auf den Auswahlprozess haben. Den ganzen Artikel mit Unterschieden zwischen Großunternehmen und Mittelständler, etc. findet ihr in Zeitschrift für Personalforschung (1/10).
Christian Reiss | 11 Comments | Tags: Recruiting, Allgemein

25 Mrz 2010 - 9:01
[…] Tatsache: Personaler googeln Bewerber und nutzen die Informationen aus dem Internet | Personaler Blo… (tags: Bewerbung Mitarbeitersuche) Share and Enjoy: […]
29 Mrz 2010 - 18:22
Sehr spannend sind die Ergebnisse der aktuellen Datenschutz-Studie von Microsoft zum Thema Online Reputation Management:
=> 59% der Personalentscheider suchen Informationen zum Bewerber im Internet!
=> 16% der Personalentscheider haben bereits einen Bewerber aufgrund dessen Online-Profils abgelehnt!
=> 71% der deutschen Personalentscheider glauben, dass ein positives Online-Profil die Chancen bei einer Bewerbung erhöht!
=> Nur 6% der deutschen Recruiter nutzen keine Informationen zur Online Reputation von Kandidaten!
Bei weiterem Interesse verweise ich gerne auf unseren Yasni Blog:
http://blog.yasni.de/business/egomarketing-mit-yasni/
30 Mrz 2010 - 17:15
[…] dem Personaler Blog bin ich auf eine weitere interessante Untersuchung zu diesem Thema gestoßen: Holger […]
05 Apr 2010 - 18:57
Danke für den Artikel.
Warum sollte man das Internet auch nicht dafür verwenden? Es gibt jede Menge an kostenlosen Lebensläufen. Wenn man dann auch noch die richtigen Werkzeuge besitzt, um diese herauszufiltern …
Dennoch sollte man aufpassen, was man über sich preisgibt.
12 Apr 2010 - 9:55
Eine interessante Untersuchung! Interessant wäre, ob es in unterschiedlichen Branchen einen signifikanten Unterschied bei der Berücksichtigung von Internetinformationen gibt. Das könnte ich mir gut vorstellen.
25 Aug 2010 - 18:47
Das Googeln von potentiellen zukünftigen, aber auch von derzeitigen Mitarbeitern nimmt immer wichtigere Züge im Recruiting ein. Arbeitnehmer solltes es deshalb zunehmendst vermeiden, Bilder von ausschweifenden Parties oder obszönen Gesten nirgends zu veröffentlichen. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt sich ein Pseudonym zu. So kann auch der Chef keine konkreten Nachforschungen mehr anstellen!
26 Aug 2010 - 21:54
[…] Seit Jahren werden Bewerber davor gewarnt Informationen über sich in das Internet zu stellen, die negativ interpretiert werden könnten. Um dieses Thema ranken sich mittlerweile schon Geschäftsideen. Unternehmen bieten an persönliche Daten aus dem Internet zu entfernen. Auf der anderen Seite gibt es Internetdienste, die sich auf die Personensuche im Internet spezialisiert haben und nach der Eingabe eines Namens alle verfügbaren Informationen über diese Person aus dem Netz filtern. Aber, werden Bewerber zu recht gewarnt oder kann das Internet überhaupt nicht zur Karrierefalle werden? (more…) […]
31 Aug 2010 - 10:08
Ein Problem entsteht dann, wenn die Informationen nicht stimmen. Fremde können zu jeder Person und zu jedem Namen Informationen im Netz verteilen, z.B. um die Reputation einer Person zu untergraben oder Gerüchte in die Welt zu setzen. Suchmaschinen zeigen nur an, was gut passt, können aber nicht den Wahrheitsgehalt der Informationen überprüfen.
26 Okt 2010 - 20:44
[…] der Personalisten an, dass sie nicht nach ihren Bewerbern googeln. Ein kürzlich durchgeführtes Experiment zeigt jedoch andere […]
09 Mrz 2011 - 21:19
die Aufteilung auf die unterschiedlichen Branchen würde mich dabei wirklich interessieren
26 Jun 2011 - 19:40
[…] Weitersagen Betrachtet, Brecht, Dax, Heitzmann, Holger, Marcel, PersöNliche Daten, Ranken, Thorsten […]