Personaler Blog

In diesem Blog schreiben HR-Experten über ihr jeweiliges Fachgebiet. Lesen Sie welche Meinung andere Personaler zu verschiedenen Personal- themen haben.

Kalender

Oktober 2018
M D M D F S S
« Jul    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

27 Oktober 2008 - 21:56Von der Steinkohle zu neuen virtuellen Welten in der Akademie Mont-Cenis

„Da gibt es glaube ich mehr Gemeinsamkeiten mit der Verwaltung als Sie glauben, Herr Bursian“. Mit diesem Statement schloss die Moderatorin Stefanie Müller den Vormittags-Block der Fachtagung „Neue virtuelle Welten?! Vernetztes Lernen im Zeitalter von Web 2.0“, den die futuristisch anmutende Akademie Mont-Cenis des NRW-Innenministeriums am 24.10. in Herne mit etwa 60 Teilnehmern vornehmlich aus der öffentlichen Verwaltung durchführte; dort, wo bis 1978 Steinkohle in der gleichnamigen Zeche gefördert wurde.
 Olaf Bursian hatte zuvor das EureleA-ausgezeichnete Projekt „Klick dich Klug“ der real SB Warenhaus GmbH vorgestellt und betont, dass Web 2.0 Elemente bei der Einführung von eLearning Zukunftsmusik sei, weil zunächst einmal Selbstlernkompetenz und Akzeptanz für das PC-basierte Lernen aufgebaut werden müsse, und das erfolge bei real mit „klassischem eLearning“. Nicht nur die Moderatorin, auch das verwaltungserprobte Publikum fühlte sich mit diesem Tenor sichtlich angesprochen, nachdem es zuvor von Professor Baumgartner von der Donau-Universtität Krems einen aufschlussreichen, systematischen Rundumschlag zu Lehrmethoden, ihren digitalen Entsprechungen und zukünftigen Web 2.0-Ausprägungen erhielt, und von Professorin Wiesner von der Berliner FH für Wirtschaft einen etwas sperrigen Vortrag zum Thema „E-Learning & Diversity: Produktivität und Chancengleichheit als (un)beabsichtigte Nebenfolge von Web 2.0“.

Der Wunsch nach praktischen und nicht allzu abgehobenen Einstiegen in das elektronische Lernen in der öffentlichen Verwaltung wird untermauert von Studien, die z.B. vom Informationsbüro d-NRW 2006 oder vom Kompetenzzentrum eLearning Niedersachsen bereits 2002 durchgeführt wurden, und die Verwaltungsmitarbeitern hohe PC-Kompetenz und eine grundsätzliche Offenheit neuen Lernformen gegenüber attestierten. Ein Potential, so die Studien, das im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung und eGovernment-Initiativen abgerufen werden könne.

So konnte der erste Nachmittagsreferent, Dr. Lutz Goertz vom Essener MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung noch einmal die Umsetzung der Virtuellen Akademie der niedersächsischen Landesverwaltung in diesem Jahr bestätigen, deren Koordinatorin Ursula Wedemeier ebenfalls anwesend war. Sein Methoden-Überblick zur Erstellung von „gutem E-Learning“, ein unabdingbarer Türöffner insbesondere für eLearning-Einführungsprojekte, verwies in Herne sinnigerweise auf die frei verfügbaren Qualitätschecklisten des Online Bildungsportals WebkollegNRW, aber auch die 2005 verabschiedete internationale Norm für das Qualitätsmanagement von IT-gestützten Aus- und Weiterbildungsprozessen ISO/IEC 19796-1, die sich als Werkzeugkasten nutzen lässt.

In den anschließenden und gut besuchten Themenforen gaben die Landeshauptstadt München, das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein, die VHS Goslar, die BASF AG und die Schweizerische Post eLearning Praxisbeispiele von der LINux Einführung bis zur Second Life Nutzung, während das Karlsruher Fraunhofer Institut das Nutzenpotential von eLearning für ältere Menschen und das Zentrum für graphische Datenverarbeitung aus Darmstadt „Serious Games“ als eLearning Methode der Zukunft beleuchteten.

Während die Schweizerische Post den „Kulturwandel“ als Herausforderung für das Bildungsmanagement beim Einsatz neuer Medien hervorhob, hatte Carsten Klipstein, Geschäftsführer der cosinex GmbH in seinem brennenden Plädoyer für „Wikis im Behördenumfeld“ mit der Warnung: „Wikis sind Anarchie“ die Lacher auf seiner Seite. Seine Empfehlung, doch lieber ein freies und ein redaktionell betreutes Wiki für organisationskritische Themen einzurichten, mündete denn auch prompt in die Publikumsfrage, ob man dann nicht gleich wieder auf ein bewährtes Content-Management-System zurückgreifen sollte. Zeit zum Ausdiskutieren blieb nicht, aber klar wurde, dass Organisationskultur beim Einsatz Web 2.0 Instrumenten die Gretchenfrage bleibt.

Alles in allem eine gelungene, gut moderierte Veranstaltung, der auch das nieselige Herne-Wetter am Nachmittag nichts anhaben konnte.

Onno Reiners | No Comments | Tags: E-Learning

Add a Comment