22 Dezember 2007 - 23:31Welche Schwächen haben Sie?
Millionen Mal ist diese Frage in verschiedensten Vorstellungsgesprächen gestellt worden und Millionen Lügen wurden bereits auf diese Frage erwiedert. Hat diese Frage überhaupt noch einen Wert im Vorstellungsgespräch? Hat sie keinen Wert, oder kann man vielleicht auch noch etwas aus den konstruierten Schwächen entnehmen?Klar ist, auf Stellen, die attraktiv sind und für die ein gewisses Maß an Qualifikation gebraucht wird, bereitet man sich vor, wenn man zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Entweder ließt der Bewerber in Ratgebern oder informiert sich im Internet. Auf jeden Fall macht sich der Eingeladene Gedanken darüber, was ihn im Gespräch erwartet und wie er reagieren sollte, um den Job zu bekommen. Auch Bewerbungscoachs werden zu diesem Zwecke konsultiert. Und eine Frage wird in allen Ratgebern und bei allen Coaches besprochen “Welche Schwächen haben Sie?”
Natürlich möchte keiner in einem Vorstellungsgespräch, in dem man sich gut verkaufen möchte, seine Schwächen wirklich nennen. Auf der anderen Seite muss man sich zu dieser Frage äußern. Es ist schließlich ein Vorstellungsgespräch und kein Monolog. Und wenn man schon antworten muss, so denken viele Bewerber, kann man doch versuchen diese vermeintlich schädigende Frage, ins Positive zu drehen.
Eine konstruierte Antwort hört sich allerdings in den Ohren der meisten Personaler eher wie eine unnatürliche hole Pharse an. Es ist sofort klar, der Bewerber will sich positionieren. Hier ein paar Beispiele:
- Ich bin Perfektionist. (Der Klassiker)
- Ich kann keine Krawattenknoten binden. (Der Humorvolle)
- Ich bin immer so ungeduldig. (Der Macher)
- Manchmal helfe ich anderen schon zu viel. (Der Teamplayer)
- Ich arbeite zu viel. (Der Schleimer)
Natürlich muss man diese Positionierungen auch immer vor dem Hintergrund des Stellenprofils sehen, das der Bewerber kennt. Während der Humorvolle in einer Werbeagentur schon eher gefragt ist, wird sich diese Antwort bei einem Vorstellungsgespräch in der Bank weniger gut machen. Deswegen
Auf die Antwort der Bewerber wirken demnach drei Dinge ein:
- Der Ratgeber, Coach, etc.
- Das Stellenprofil
- Der Bewerber selber
Eine wahre Antwort kann der Personaler auf die Schwäche-Frage nicht erwarten und aus der Positionierung des Bewerbers etwas abzuleiten finde ich sehr kritisch. Es ist höchstens noch interessant zu wissen, wie Bewerber glauben für diese Stelle sein zu müssen (oder deren Ratgeber). Aus diesem Grund ist der Wert dieser Frage im Vorstellungsgespräch für die Besetzung der Stelle gleich null.
Vielleicht sollte man es mit der Frage ”Nennen Sie 3 Schwächen von sich.” versuchen, um eine wahre Schwäche herauszubekommen. Das würde aber vielleicht den Bewerber zu stark aus dem Konzept bringen.
Christian Reiss | 2 Comments | Tags: Personaldiagnostik, Personalauswahl, Allgemein

05 Jan 2008 - 0:00
[…] bei einem Bewerbungsgespräch wartet man auf die Frage, was die persönlichen Schwächen sind. An dieser Stelle habe ich eine kritische Stellungnahme gefunden, die ich ganz interessant […]
04 Jan 2009 - 16:07
[…] Welche Schwächen haben Sie? Ein Beitrag dazu, welchen diagnostischen Wert die Frage nach den Schwächen im Bewerbergespräch hat. […]