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17. August 2007

Recruiting: Die größten Fehler

Was würden Sie mit einer Million Euro machen? Haben Sie Feinde? Warum wollen Sie arbeiten? Fragen, die nachweislich immer wieder in Auswahlgesprächen vorkommen. Welches Ziel Unternehmen mit derlei Fragen verfolgen, ist nur schwer zu erkennen. Die internationale HR-Beratung DDI befragte europaweit 2.251 Stellensuchende und rund 100 Recruiting-Verantwortliche und Linienmanager mit Personalverantwortung zu Bewerbungs- bzw. Auswahlprozessen. Das Ergebnis: Nicht nur den Interviewees unterlaufen grobe Schnitzer während des Einstellungsgesprächs. Auch die Interviewer begehen Kardinalfehler. In der Konsequenz werden Stellen falsch besetzt, Talente laufen zum Wettbewerb über. Dies ist fatal für ein Unternehmen bei zunehmender Verknappung des Arbeitsmarktes.

Unternehmen: Keine Zeit für Bewerber

Wie die Studie „Selection Forecast 2006-2007“ zeigt, ist der Eindruck, den ein Kandidat im Auswahlgespräch von der Personalabteilung und dem Unternehmen gewinnt, ausschlaggebend für die Entscheidung pro oder contra. Im Hinblick auf den Wettbewerb um Talente, den 75 Prozent der Recruiting-Verantwortlichen als sich verschärfend einschätzen, sind die Unternehmen gefordert ihre Taktik und Strategie im Auswahlprozess kritisch zu prüfen. Wie die Studie zeigt, unterlaufen vielen Unternehmen bereits im Auswahlgespräch entscheidende Fehler. Am meisten stört die befragten Arbeitnehmer, wenn der Gesprächspartner den Eindruck vermittelt, er habe keine Zeit für das Interview (66 Prozent). Als nahezu genauso negativ empfinden sie das Gefühl, dass Informationen zurückgehalten werden oder das Gespräch einem Kreuzverhör gleicht. Die Linienmanager mit Personalverantwortung sind dagegen von ihren Kompetenzen überzeugt, immerhin 78 Prozent schätzen sich als gute Interviewer ein.

Bewerber: Unklare Aussagen befördern ins Abseits

Perspektivenwechsel: Die befragten Linienmanager stört vor allem eines bei Bewerbern - wenn sie vage Auskünfte über berufliche Erfahrungen geben (76 Prozent) oder persönliche Informationen vorenthalten (57 Prozent). Unpünktlichkeit steht bei 56 Prozent der Befragten auf der Schwarzliste. Die übertriebene Darstellung der Qualifikationen und fehlendes Wissen über das Unternehmen (jeweils 50 Prozent) stößt bei den Personalverantwortlichen ebenfalls negativ auf.

Mehr Wertschätzung gefordert

Die Untersuchung zeigt deutlich: Noch denken viele Linienmanager, dass ausschließlich die Bewerber in der „Bringschuld“ stehen. Auswahlgespräche werden häufig als zeitraubende Zusatzarbeit gesehen. Die Vorbereitung auf individuelle Gespräche scheint noch nicht zum Standardprozess zu gehören. Der Qualität und Vorbereitung von Auswahlgesprächen muss künftig ein deutlich höherer Stellenwert zukommen, wenn der deutsche Arbeitsmarkt künftig zum Pull-Markt wird.

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