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2. Mai 2008
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MBA Human Resources Management & Consulting an der Hochschule Pforzheim - Interview mit Prof. Günter Bergmann

Rubrik: Personalentwicklung

Von: Christian Reiß (Personaler Online)

Einige Personaler versuchen durch einen MBA ihre Karriere zu beflügeln. Wir hatten die Möglichkeit Professor Günter Bergmann den Dekan des MBA-Studiengangs Human Resources Management & Consulting der Hochschule Pforzheim zu interviewen. Prof. Bergmann gibt im Interview Einblicke in seinen Studiengang, der auch mit einer Teilzeittätigkeit im Unternehmen verbunden werden kann.

Warum braucht man nach einem Studium der Wirtschaftwissenschaften mit Vertiefung im Fach Personal oder einem Studium der Wirtschaftpsychologie noch einen MBA in Human Resources Management & Consulting?
Hinsichtlich konsekutiver Studienabschlüsse findet nach und nach in ganz Deutschland die flächendeckende Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse statt. Auf einen Bachelorabschluss aufsetzend haben viele Studierende das Bedürfnis, einen weiteren akademischen Abschluss zu erlangen. Aus Sicht der Unternehmen empfiehlt sich für die weitere Karriereentwicklung häufig ein Masterstudium. Bewerber, die bislang einen Berufsakademie- oder Bachelorstudium an anderen Hochschulen abgeschlossen hatten, teilten uns mit, dass sie schon nach ein oder zwei Jahren im Beruf das Ende ihrer Karriere erreicht hätten. Sie sehen auf Basis ihres Bachelorabschlusses keine Weiterentwicklung. Für all diese, also Interessenten mit einem Berufsakademie- oder Bachelorabschluss und entsprechender Berufserfahrung, bietet sich ein weiterführender Abschluss an, wenn sie sich für verantwortungsvolle Aufgaben weiterqualifizieren wollen.

Eine anderer Adressatengruppe des MBA-Studiums sind Universitätsabsolventen. Vielen fehlen umfassende Kenntnisse über den Anwendungsbezug des theoretischen Wissens, gerade aus geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Ihre Beschäftigungsfähigkeit für anspruchsvolle Aufgaben im HR-Bereich stellt sich mitunter als begrenzt heraus, auch wenn berufspraktische Erfahrungen vorliegen. Hier stellt der MBA-Studiengang die in der akademischen Ausbildung oft fehlende Brücke zwischen Theoriebildung und Anwendungsbezug für Unternehmen her. In einigen Jahrgängen hatten mehr als die Hälfte unserer Studierenden bereits einen Universitätsabschluss auf Masterniveau; einige wenige Bewerber waren sogar promoviert. Wieder andere Interessenten möchten sich nach vielen Jahren der beruflichen Tätigkeit in einem betriebswirtschaftlichen Aufgabengebiet ein völlig neues Aufgabenfeld erschließen, sie möchten weg von der Kaminkarriere. Die Motivationen zum Studium Human Resources Management & Consulting sind also sehr unterschiedlich.

Welche Inhalte lehren Sie im Studium? Setzen Sie Schwerpunkte?
Wir bieten ein weitgehend fachspezifisches MBA-Studium, welches auf spezifische Weiterbildungsinteressen Bezug nimmt, keinen General Management MBA. Wir fokussieren das Programm hinsichtlich zweier Säulen: Die eine Säule ist das strategische Human Resources Management, da wir davon ausgehen, dass operative Elemente der Personalarbeit, wie Arbeitsrecht, Personalauswahl usw., in einem Bachelorstudium gelernt wurden und daher hier nicht vertieft werden müssen. Als besonders wichtig für die eigene Weiterentwicklung sehen wir die strategischen Perspektiven der Personalarbeit an – wenn man z.B. an die Rolle des HR-Business-Partners denkt, ein Modell, welches in vielen Unternehmen inzwischen greift. Von Seiten der Unternehmen ist zu hören, dass für dieses neue Modell der Personalarbeit ein nicht unerheblicher Bedarf an Weiterqualifizierung der HR-Mitarbeiter besteht. Diesen decken wir durch unser Studienprogramm ab. Die zweite Säule - und diese Kombination ist einzigartig - ist das Consulting, um Studierenden noch weitere Optionen zu bieten. Es ist nicht selten, dass sich nach mehreren Jahren der Berufstätigkeit das Bedürfnis entwickelt, selbstständig tätig zu werden oder sich einer Unternehmensberatung anzuschließen. Auch in diese Richtung qualifizieren wir. Darüber hinaus sind wir der Ansicht, dass sich strategisch aufgestellte Personaler nicht nur in genuinen Personalthemen auskennen sollten sondern z.B. auch in Geschäftsprozessanalyse, Projektmanagement, Change Management, Qualitätsmanagement und Unternehmensentwicklung, also typischen Consulting-Feldern. Die beiden Säulen der Ausbildung haben eine zentrale Klammer: die Beratungskompetenz. Wichtig ist uns die Förderung und Entwicklung der Beratungskompetenz im Studium. Diese benötigen Consultants ebenso wie Personaler, wenn sie Führungskräfte und Top-Manager erfolgreich beraten wollen.

Der MBA Human Resources Management & Consulting soll international ausgerichtet sein, wie gewährleisten Sie dies?
Zum einen durch die Zusammensetzung der Gruppe der Studierenden, die wir über unseren Auswahlprozess so steuern,  dass etwa ein Drittel pro Jahrgang internationale Studierende sind. Abhängig von der Bewerbersituation versuchen wir, eine gute Mischung zu erreichen. Außerdem verfügen nicht wenige der Studierenden selbst über internationale Erfahrungen. Eine Bewerberin kommt gerade aus einem Projekt in China zu uns, andere arbeiteten an internationalen Aufgaben in ihren Unternehmen. Oder: eine Absolventin ist zum Abschluss ihres Studiums in einem Projekt in Thailand tätig. Zum anderen sind zahlreiche internationale Themen im Studium repräsentiert, z.B. internationales Consulting, interkulturelle Zusammenarbeit, Fusionsmanagement, internationale Personalentwicklung. Zusätzlich bieten wir fallweise englischsprachige Seminare an, in diesem Semester „Leadership“ und „Ethics“ durch einen US-amerikanischen Gastprofessor. Des Weiteren können Studierende an internationalen Studentenkonferenzen teilnehmen, z.B. an der International HR Students Conference mit Teilnehmern aus fünf europäischen Ländern. Das Human Resources Competence Center der Hochschule Pforzheim als Träger des Programms bietet viele Chancen im Rahmen internationaler Netzwerke.

Außerdem kann man bei Ihnen in der vorlesungsfreien Studienzeit an internationalen Projekten teilnehmen…
Wir bieten diese Option bei Bedarf und unterstützen hier. Diese Option kann nicht von allen Studierenden wahrgenommen werden, weil sie unter Umständen durch ihre berufliche Tätigkeit in Teilzeit gebunden sind.

Erhalten die Studierenden ein Entgelt, wenn sie an Projekten teilnehmen; können damit die Studienkosten gegenfinanziert werden?
Nein, Teilnehmer werden für die Tätigkeit in kürzeren Projekten in der Regel nicht bezahlt. Je nach Situation können Kosten vom Unternehmen erstattet werden, oder es wird für eine Masterarbeit ein monatliches Entgelt gezahlt, ähnlich wie bei Praktika. Der große Vorteil für die Studierenden besteht darin, über das Praxisprojekt als Grundlage der Masterarbeit in Kontakt zu Unternehmen zu treten, sich selbst einen Einblick in neue Praxisfelder zu verschaffen – und sich im Sinne der eigenen Karriereentwicklung Kontaktmöglichkeiten aufzubauen. Ein Finanzierungsmodell ist dies sicherlich nicht.

Der MBA wird von vielen als notwendig angesehen, um Karriere zu machen. Welche Erfahrungen konnten Ihre ehemaligen Studenten in dieser Hinsicht machen?
Wir beginnen im Oktober mit der achten Studentengeneration. Seit 2001 gibt es das MBA-Programm, das heißt, es liegen viele Erfahrungen über den Verbleib unserer Absolventinnen und Absolventen vor. Die Karrierewege sind sehr unterschiedlich. Nicht wenigen gelingt schon während des Studiums oder unmittelbar danach eine berufliche Veränderung im Sinne eines Aufstiegs im eigenen oder in einem anderen Unternehmen. Wir kennen auch zahlreiche Studierende, die sich nach dem Studium für die Selbstständigkeit entscheiden haben. Es haben sich im Verlauf des Studiums mehrfach Gruppen gebildet, aus denen  mindestens vier Beratungsunternehmen mit mehr als drei Beteiligten entstanden sind. Aber auch der andere Weg ist ebenso repräsentiert, aus der Selbständigkeit heraus in eine verantwortungsvolle Tätigkeit in meist internationalen Unternehmen.

Wie lange dauert das Studium bei Ihnen?
Die Dauer beträgt 15 Monate - organisatorisch ein weitgehend einzigartiges Modell in Deutschland. Wir bieten kein berufsbegleitendes Studium an, das nur Freitagnachmittag und Samstag stattfindet, das sich also dann, wenn es einen gewissen Anspruch hat, über mindestens zwei oder zweieinhalb Jahre erstreckt. Wir bieten ein Vollzeitstudium, welches durch eine geschickte Konzentration der Präsenzzeiten ausschließlich an den Tagen Donnerstag, Freitag und Samstag stattfindet. Dies ermöglicht eine parallele, berufliche Tätigkeit in Teilzeit an den Tagen Montag bis Mittwoch. Dieses Modell ist insofern interessant, als wir einerseits ein zeitlich kompaktes Studium anbieten können mit der Möglichkeit, schnell einen MBA-Abschluss zu erreichen. Andererseits müssen Studierende nicht ihre berufliche Tätigkeit aufgeben, wie dies bei einem Vollzeitstudium der Fall ist. Das Präsenzstudium findet im ersten und zweiten Semester an der Hochschule statt, abzüglich der Semesterferien. Allerdings ist eine kontinuierliche Anwesenheit in diesem einen Jahr an den drei Tagen Donnerstag bis Samstag verpflichtend. Die Masterarbeit selbst kann als Projekt im Unternehmen durchgeführt werden. In diesem dritten Semester gibt es nur wenige Präsenzveranstaltungen. So handelt es sich um zwei Semester, in denen man in Teilzeit weiterarbeiten kann. Danach kann der Studierende wieder in Vollzeit tätig werden, vorausgesetzt das Unternehmen ist mit der Anfertigung einer Masterarbeit innerhalb der beruflichen Tätigkeit einverstanden.

Wie reagieren Unternehmen auf den Wunsch nach Teilzeittätigkeit für die Aufnahme eines MBA-Studiums?
Die Bereitschaft der Unternehmen, ihre Mitarbeiter in Teilzeit gehen zu lassen, ist unterschiedlich ausgeprägt. Immer mehr Unternehmen sehen jedoch den Nutzen dieser Konstruktion. Um Mitarbeiter zu binden, werden entsprechende Angebote von Unternehmen wichtig, wenn z.B. ein Mitarbeiter signalisiert, dass er sich weiterentwickeln möchte aber mittelfristig keine Perspektiven sieht. Einzelne Unternehmen (u.a. SAP, Festo) halten dieses Modell unter dem Aspekt der Mitarbeiterbindung für sehr gelungen und fördern das Studium durch die Übernahme der Studiengebühren.

In welchem Semester beginnt das Studium?
Der Beginn ist jeweils zum Wintersemester. Der nächste Start ist Anfang Oktober. Der Bewerbungsschluss für diesen Termin ist der 15. Juni.

Wie hoch sind die Kosten für den MBA Human Resources Management & Consulting?
Die Kosten betragen für alle drei Semester insgesamt 6400 Euro. Dies ist ein sehr günstiges Angebot, vergliechen mit den Kosten, die sonst für einen MBA-Studium anfallen.

Welche Dozenten führen durch die Veranstaltungen, sind darunter auch Dozenten aus der Wirtschaft?
Die Kernveranstaltungen des Studiums werden in der Regel von praxiserfahrenen Professoren der Hochschule Pforzheim durchgeführt, um eine Kontinuität und auch eine optimale Betreuung der Studierenden zu gewährleisten. Darüber hinaus unterstützen zahlreiche externe Dozenten aus Unternehmen das Programm, welche ihre Praxiserfahrung und ihre Praxisperspektiven mit einbringen. Insgesamt sind ca. 20 Unternehmensvertreter in das Studium eingebunden. Studierende erhalten so einen fantastischen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in Unternehmen.

Ist einer Ihrer Studierenden auch schon mal im Unternehmen eines Ihrer externen Dozenten hängen geblieben?
Ja, das ist durchaus vorgekommen. Außerdem kann man über die externen Dozenten ein Projekt für seine Masterarbeit akquirieren. Nicht selten erwerben Absolventinnen und Absolventen mit ihrer Masterarbeit die Eintrittskarte in ihre künftige Tätigkeit – dadurch, dass sie sich in ihrem Projekt beweisen konnten.

Wie sieht die Zukunft Ihres Studienganges aus, welche Pläne haben Sie?
Wir sind gerade dabei, im Kontext dieses Studienangebots eine neue Idee zu entwickeln. Es geht darum, Unternehmen für ein duales Traineeprogramms einschließlich eines MBA-Abschlusses zu gewinnen. Das Problem: Wenn Studierende nach dem Bachelor- oder dem Berufsakademie-Studium im Unternehmen tätig sind, müssten sie, wenn sie einen MBA- oder einen Master-Abschluss erreichen möchten, das Unternehmen für die Zeit des Studiums verlassen. Die Lösung im Sinne der Mitarbeiterbindung könnte sein: Unternehmen schließen einen Ausbildungs- bzw. Trainee-Vertrag mit hoch qualifizierten Bachelor-Absolventen für die Dauer von drei Jahren. Dieser umfasst zunächst eine einjährige Praxisphase, in der die Studierenden bzw. High Potentials im Unternehmen tätig sind. Die Hochschule begleitet und betreut in dieser Zeit Projekte, die in Unternehmen stattfinden.  Daran schließt sich das einjährige MBA-Studium an, wie gesagt an den Tagen Donnerstag, Freitag und Samstag, so dass parallel dazu weiterhin im Unternehmen gearbeitet werden kann. Schließlich folgt die Masterarbeit im Unternehmen.
Wir bieten mit dieser „HR Talent Bridge“ ein Modell an, welches in einem dualen System Wirtschaft und Hochschule zu einem MBA-Abschluss führt, ähnlich wie das Berufsakademie-Studium zum Bachelor.

Ist das nicht eher sinnvoll für Firmen in ihrer Region? Eine regionale Nähe des Unternehmens ist nicht notwendig. Viele Teilnehmer unseres Programms arbeiten oder arbeiteten während des Studiums in Freiburg, München, Frankfurt, Bonn, Köln. An den drei Tagen des Präsenzstudiums an der Hochschule Pforzheim für eine preiswerte Unterkunft, etwa in einem der Studentenwohnheime, zu sorgen, stellt kein Problem dar und ist ein geringer zusätzlicher Kostenfaktor.
Jedoch können Firmen aus der Region, die bereits während des Praktikums oder der Bachelorarbeit hoch qualifizierten Studierende unseres Bachelor-Studiengangs BWL/Personalmanagement kennengelernt haben, diesen sehr frühzeitig eine attraktive Perspektive anbieten. Der Nutzen für Unternehmen und Studierende ist gleichermaßen hoch.

Vielen Dank für das Interview

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