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31. März 2009

Pensionswerke schlagen sich besser als erwartet

Die aktuelle Kapitalmarktkrise hat im Geschäftsjahr 2008 sichtbare Auswirkungen auf die betrieblichen Pensionswerke der 30 im führenden deutschen Börsenindex DAX notierten Unternehmen gezeitigt. So haben sich die Pensionsverpflichtungen um rund 9% auf aktuell rund 191 Mrd. € verringert. Demgegenüber steht ein Wertverlust bei den Pensionsvermögen in Höhe von 13 Mrd € . Dieser Wert liegt erwartungsgemäß unter den im Januar vorgelegten Hochrechnungen. Der Trend zur Bildung von externem Pensionsvermögen hat sich im zurückliegenden Geschäftsjahr erstmals seit 2007 verlangsamt, ist jedoch ungebrochen. So haben trotz Krise einige Unternehmen ihr Pensionsvermögen weiter aufgestockt. Insgesamt beläuft sich das für Betriebspensionen reservierte Vermögen der DAX-Unternehmen nunmehr auf rund 125 Mrd. €. Zugleich ist - erstmals seit Jahren des permanenten Anstiegs - der durchschnittliche Grad der externen Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen gesunken. Er liegt jetzt im DAX bei rund 65% und damit auf dem Wert von 2006.

Dies sind die Kernaussagen der Rauser Towers Perrin-Studie Pensionsverpflichtungen DAX 2008.

„Nach Jahren der überwiegend erfreulichen Entwicklung mussten die DAX-Pensionswerke im zurückliegenden Geschäftsjahr erstmals einen Dämpfer hinnehmen. Der Vermögensverlust fällt allerdings deutlich geringer aus als erwartet. Er wird sich zudem in der langfristigen Perspektive, und diese ist beim Thema Renten entscheidend, relativieren“, erklärt Dr. Thomas Jasper, Principal bei Towers Perrin und Studienautor. Aus seiner Sicht ist die zentrale Erkenntnis der aktuellen Geschäftsberichtsanalyse, dass die Unternehmen in der betrieblichen Altersversorgung auch in der Krise solide aufgestellt sind und auf Grundlage ihres Pension Risk Managements effektiv auf die aktuellen Herausforderungen reagieren konnten. „Diese Erkenntnis stimmt nicht nur Kapitalmarktteilnehmer zuversichtlich, sondern sollte auch beruhigend auf jetzige und zukünftige Betriebsrentner wirken“, so Jasper.

Pensionsverpflichtungen sinken aufgrund des gestiegenen Rechnungszinses

Die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen haben sich 2008 weiter verringert: von 211 Mrd. € im Jahr 2007 auf aktuell rund 191 Mrd. €. Letztmalig hatten die DAX-Unternehmen für das Jahr 2005 eine Zunahme ihrer Pensionsverpflichtungen zu verzeichnen.

„Ursache für diese Entwicklung ist vor allem der gestiegene Rechnungszins“, erläutert Sieglinde Deihle, Senior Consultant bei Rauser Towers Perrin. „Der von den Unternehmen verwendete Zins ist maßgeblich für die Ermittlung des heutigen Gegenwerts der zukünftigen Rentenzahlungen. Er ist vom Kapitalmarkt abhängig und orientiert sich an Unternehmensanleihen hoher Qualität.“ Der betreffende Zinssatz ist nach 2007 erneut gestiegen, und zwar im Median um 0,5 Prozentpunkte. Er lag zum 31. Dezember 2008 bei 6%. Rauser Towers Perrin schätzt, dass eine Änderung des Rechnungszinses in Höhe von einem Prozentpunkt Veränderungen bei den DAX-Pensionsverpflichtungen in der Größenordnung von 20 bis 30 Mrd. Euro bewirken.

Die Unternehmen mit den höchsten Pensionsverpflichtungen im DAX sind Siemens (22,7 Mrd. €), Volkswagen (16,0 Mrd. €) und Daimler (15,0 Mrd. €).

Vermögensverlust als direkter Effekt der Kapitalmarktkrise

Im Ergebnis fallender Kurse an den internationalen Aktienmärkten konnte sich kaum ein Kapitalanleger der Finanzmarktkrise entziehen. So mussten auch die pensionsspezifischen Vermögensbestände der DAX-Unternehmen im Verlauf des zurückliegenden Geschäftsjahres einen Verlust von ca. 9% oder 13 Mrd. € verzeichnen. Damit liegt der Vermögensverlust deutlich unter den Hochrechnungen vom Jahresbeginn 2009, die ohne Berücksichtung von Risiko-Management-Maßnahmen noch von bis zu 18 Mrd. € ausgingen. Die Unternehmen hatten Anfang 2008 noch mit einem Ertrag im Median von rund 5% gerechnet.

„Ungeachtet der Krise ist die betriebliche Altersversorgung nach wie vor eine der sichersten Formen des Sparens in Deutschland“, betont Studienautor Dr. Thomas Jasper. „Die Unternehmen an sich, das angesammelte Pensionsvermögen sowie zusätzlich der Pensions-Sicherungs-Verein und damit die deutsche Wirtschaft stehen für die Erfüllung der Direktzusagen ein.“ Daher sei der Rückgang der Pensionsvermögen für die Begünstigten nicht besorgniserregend. Zudem sind Rentenzusagen mehrheitlich nicht an die Entwicklung des Planvermögens geknüpft, bei Performance-abhängiger Plangestaltung sind altersabhängige Investitionsmodelle Standard. Sie werden gegebenenfalls ergänzt durch eine garantierte Mindestverzinsung von Beiträgen in die Altersversorgung.

Die Unternehmen mit den höchsten Pensionsvermögen im DAX sind Siemens (20,2 Mrd. €), E.ON und RWE (jeweils 11,0 Mrd. €). Wenngleich Unternehmen wie BMW und RWE auch in der Krise Dotierungen vorgenommen haben, hat sich der Trend eines kontinuierlichen Ausbaus externer Pensionsvermögen verlangsamt. Der Grad der externen Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen liegt nunmehr im DAX bei rund 65%, nach 71% im Jahr zuvor. Dass der Rückgang nicht stärker ausgefallen ist, ist größtenteils im gleichzeitigen Sinken der Verbindlichkeiten sowie im gezielten Risiko-Management der Unternehmen begründet. Die höchsten Deckungsgrade bei den Pensionsverpflichtungen im DAX weisen Deutsche Bank (107%), MAN (95%) und Beiersdorf (94%) auf.

Verlagerungen im Anlageportfolio: Reduzierung des Aktienbestands

Im Ergebnis der ergriffenen Risiko-Management-Maßnahmen ist der Anteil an Aktien im pensionsspezifischen Anlageportfolio der DAX-Unternehmen im Jahr 2008 weiter gesunken. So betrug die Aktienquote zum letzten Bilanzstichtag nur noch rund 21%, nach 32,4% (2007) und 41,5% (2006). Im Gegenzug erhöhten sich die Investitionen in sonstige Anlageformen, insbesondere Cash-Positionen. Das Gros der aktuellen pensionsspezifischen Investitionen entfällt auf Anleihen (ca. 51%).

Trotz Krise: Zukünftige Zahlungen an Betriebsrentner steigen

Im zurückliegenden Geschäftsjahr beliefen sich die Zahlungen der DAX-Unternehmen an ihre Betriebsrentner auf insgesamt 10,2 Mrd. €. Der leichte Rückgang gegenüber dem Vorjahr (11,6 Mrd. €) resultiert vor allem aus Unternehmensverkäufen (z.B. Dresdner Bank). Die Unternehmen mit den höchsten Rentenzahlungen waren erneut Siemens, RWE und E.ON, die zusammen allein mehr als 3 Mrd. € für ihre Betriebsrentner aufgewendet haben. „Ein Großteil der Rentenzahlungen wird liquiditätsschonend aus dem Planvermögen geleistet. Die durch die Bildung von Planvermögen in den letzten Jahren getroffene Vorsorge zahlt sich in der Krise aus“, zeigt sich Studienautorin Sieglinde Deihle überzeugt.

Für die Zukunft kalkulieren die DAX-Unternehmen mit einem weiteren Anstieg der Leistungen aus ihrer betrieblichen Altersversorgung um 2,0% (2007: 1,8%). Damit liegen die Zuwachsraten bei den Betriebsrenten deutlich über dem Durchschnitt der Erhöhung der gesetzlichen Rente in den Jahre 2003 bis 2009 (0,8%), also selbst unter Berücksichtigung der aktuell beschlossenen Rentenerhöhung von 2,7% (West-Deutschland).

Hintergrundinformationen zur Studie und Bezug

Die Studie „Pensionsverpflichtungen DAX 2008“ basiert auf Analysen der Geschäftsberichte der Dax-Unternehmen, die ihren Jahresabschluss bis zum 30. März 2008 veröffentlicht hatten, einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiterer öffentlich zugänglicher Daten. Die der Auswertung zugrunde liegende Rauser Towers Perrin-Datenbank umfasst den Zeitraum von zehn Jahren und ermöglicht somit Vergleiche bis ins Jahr 1999.

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