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30. Oktober 2008

Aufsichtsratsvergütung bewährt sich im Stresstest

Vor dem Hintergrund der aktuellen finanzwirtschaftlichen Lage erweist sich die Aufsichtsratsvergütung in Deutschland in ihren Grundfesten als krisenfest. Die existierende Balance von variablen und fixen Vergütungsbestandteilen ist Ausdruck der Aufgabeneinheit von Kontrolle und Strategiebegleitung in den Aufsichtsgremien der führenden Unternehmen Deutschlands. Aussagen zur konkreten Entwicklung bei den DAX-Aufsichtsratsvergütungen können in diesem Jahr aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und der damit verbundenen Unsicherheiten bei den Kenngrößen für die Ermittlung von Tantiemen und Langfristvergütungen nur unter bestimmten Annahmen für die Geschäftsentwicklung getroffen werden. Je nach Szenario belaufen sich die Veränderungen in der durchschnittlichen Gesamtvergütung für einen Aufsichtsratsvorsitzenden im Vergleich zum Vorjahreswert auf +8% (Basis Geschäftsergebnis 2007), +3% (Szenario 10% unter Vorjahresergebnis) und -19% (50% unter Vorjahresergebnis). Unabhängig vom gewählten Szenario bewegt sich die durchschnittliche Gesamtvergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden in den 30 führenden Unternehmen in Deutschland deutlich unterhalb des europäischen Niveaus.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Aufsichtsratsvergütung DAX 2008“ der Unternehmensberatung Towers Perrin, die nunmehr im siebten Jahr in Folge die Aufsichtsratsvergütungen der im DAX notierten Unternehmen analysiert. Angesichts der aktuellen Kapitalmarktentwicklungen werden im Rahmen der aktuellen Studie erstmals Szenarien der Unternehmensentwicklung berücksichtigt und auf dieser Basis Prognosen für die Entwicklung der Aufsichtsratsvergütung ermittelt.

„Die Kapitalmarktkrise erweist sich als Prüfstein für die Aufsichtsratsvergütung der führenden Unternehmen in Deutschland. Bislang hat sie diesen Stresstest bestanden, und sie wird es auch weiterhin tun“, zeigt sich Michael H. Kramarsch, Managing Director Towers Perrin, überzeugt. Seine Zuversicht begründet der Corporate Governance- und Vergütungsexperte insbesondere mit der weiter gefestigten strukturellen Balance von variablen und festen Bezügen. „Es dient der unabhängigen Kontrolltätigkeit, wenn risikoreiche Strategien nicht durch explodierende Vergütungen befördert werden, ebenso wenn in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen die Mehrbelastung aus der Aufsichtsratstätigkeit durch einen hohen Festvergütungsanteil aufgefangen wird“, so Michael H. Kramarsch.

Die Vergütung atmet und ist international wettbewerbsfähig

Alle DAX-Unternehmen, mit Ausnahme von Merck und Fresenius Medical Care, weisen ihre Aufsichtsratsvergütung vollständig individuell aus und entsprechen so den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex.

Je nach betrachtetem Szenario liegen die durchschnittlichen Gesamtbezüge eines Aufsichtsratsvorsitzenden im DAX zwischen 208.500 Euro und 279.800 Euro und damit zwischen 19% unter und 8% über dem Vorjahresdurchschnitt von rund 258.600 Euro. „Die Schwankung in den Werten macht die Sinnhaftigkeit variabler Bezüge deutlich. Die Vergütung ‚atmet’ mit dem Unternehmenserfolg, und das in beide Richtungen“, so Michael H. Kramarsch.

Mit Blick auf die Gesamtvergütung sieht der Corporate Governance-Experte für die Spitze der DAX-Werte ein international wettbewerbsfähiges Niveau erreicht, im unteren Bereich bestehe indes noch Nachholbedarf. „Bei aller Heterogenität im DAX ist eine Spreizung zwischen dem best- und niedrigstbezahlten Aufsichtsratsvorsitzenden in Höhe eines Faktors von rund 12 zu breit“, betont Michael H. Kramarsch. „Insbesondere die Vergütung am unteren Ende des Vergleichsfeldes reflektiert noch nicht die gestiegene Aufgabenvielfalt und Verantwortung. Die Vergütung ist sicher keine Garantie für eine professionelle Aufsicht, fördert aber vor dem Hintergrund einer immer komplexeren Unternehmenswelt das Begreifen der Aufgabe als echte Profession.“

Im europäischen Vergleich bewegt sich die durchschnittliche Vergütung eines DAX-Aufsichtsratsvorsitzenden in allen Szenario-Betrachtungen deutlich unterhalb des europäischen Durchschnittswerts (Stoxx50), der 2007 bei rund 610.000 Euro lag.

Differenzierung in der Vergütung setzt sich fort

2008 haben 12 DAX-Unternehmen auf ihren Hauptversammlungen Veränderungen im Rahmen der Aufsichtsratstätigkeit und -vergütung beschlossen, davon haben 6 konkrete Maßnahmen bei den Vergütungsbestandteilen vorgenommen.

Insgesamt zeigt sich, dass der Trend zu einer stärkeren Differenzierung der Vergütung für Aufsichtsratsvorsitz, Stellvertreterfunktion und einfacher Gremiumsmitgliedschaft anhält. Mittlerweile differenzieren 13 Unternehmen bei der Vergütung des Aufsichtsratsvorsitzenden gegenüber der eines Ordentlichen Mitglieds mit einem Faktor von 2, 16 Unternehmen bereits mit einem Faktor von 3 oder 4. In dieser Differenzierung kommt die systemkonforme, deutlich herausgehobene Funktion des Aufsichtsratsvorsitzenden zum Ausdruck. Die Vergütung eines stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden wird nahezu durchgängig mit dem Anderthalbfachen der Vergütung eines Ordentlichen Aufsichtsratsmitglieds differenziert.

Die Aufsichtsratspraxis zeigt, dass diese Differenzierung der Rollen dem tatsächlichen Arbeitsaufwand und der jeweiligen Verantwortung gerecht wird. Dies gilt nicht zuletzt auch für die Tätigkeit in Ausschüssen. 9 DAX-Unternehmen haben 2008, wie im Deutschen Corporate Governance Kodex empfohlen, einen Nominierungsausschuss in ihre Satzung aufgenommen. Dieser soll allerdings nicht gesondert vergütet werden.

Veränderungen bei der Vergütungsstruktur

Mit adidas, BMW, Daimler und Münchener Rück haben 4 Unternehmen ihre Grundvergütung zum Teil deutlich angehoben, wobei BMW und Münchener Rück gleichzeitig die Tantieme gesenkt haben.

Wie schon im Vorjahr verfügen mit Ausnahme von adidas, Daimler, Hypo Real Estate und Fresenius Medical Care alle DAX-Unternehmen über variable Vergütungselemente. 14 Unternehmen setzen dabei auf kennzahlenbasierte Bemessungsgrößen wie Gewinn pro Aktie, Brutto-Cashflow oder Renditegrößen.

Nachdem BMW den Gewinn pro Aktie als Bemessungsgrundlage für die Tantieme eingeführt hat, setzen nur noch 12 DAX-Werte auf eine Dividenden-abhängige Tantieme, 2005 waren es noch 20 Unternehmen.

2008 führte die Münchener Rück eine Langfristvergütung ein, als Bemessungsgrundlage dient der Gewinn pro Aktie. Bedingt durch den Wechsel in der Index-Zusammensetzung bleibt allerdings die Zahl der Unternehmen, die – wie vom Deutschen Corporate Governance Kodex empfohlen – über eine langfristige Vergütungskomponente verfügen, mit 13 stabil. Im europäischen Vergleich (Stoxx50) verfügen rund ein Drittel der Unternehmen über eine langfristige – dann aktienbasierte - Vergütung, in den USA sind es sogar 95% (S&P500).

Zusammensetzung der Aufsichtsräte

Aufgrund der Regelungen zur überbetrieblichen Mitbestimmung erweisen sich die deutschen Aufsichtsräte mit bis 20 Mitgliedern im europäischen Vergleich als die mit Abstand größten Gremien. Der europäische Durchschnitt liegt bei 12 bis 13 Mitgliedern. Insgesamt sind in den 30 DAX-Aufsichtsratsgremien derzeit 522 Mandatsträger tätig. Der Anteil Arbeitnehmer- zu Kapitalvertreter beträgt 57% zu 43%. Bedingt durch die deutsche duale Unternehmensführung und auch die Größe der DAX-Aufsichtsratsgremien liegt die Zahl der Treffen des gesamten Kontrollgremiums bei durchschnittlich 4,5 pro Jahr. In Großbritannien sind es dagegen 9, in Italien sogar 12 Zusammenkünfte.

„Die Größe der Aufsichtsratsgremien in Deutschland ist ein wesentlicher Einflussfaktor für die Effizienz. Sie führt einerseits dazu, dass sich der gesamte Aufsichtrat nur selten trifft und die Hauptarbeit in den Ausschüssen erfolgt. Andererseits lässt sich in einem großen Aufsichtsrat deutscher Prägung kaum zielführend diskutieren, geschweige denn, dass Entscheidungen effizient kurzfristig herbeizuführen sind“, erklärt Michael H. Kramarsch.

Information zur Studie und Bezug

Die Studie „Aufsichtsratsvergütung DAX 2008“ analysiert die aktuellen Vergütungen von Aufsichtsratsmitgliedern in DAX-Unternehmen. Grundlage der Auswertungen sind ausschließlich öffentlich verfügbare Quellen, insbesondere die aktuellen Satzungen und Hauptversammlungsbeschlüsse der Unternehmen aus dem Jahr 2008. In die Analyse einbezogen wurden: die jährlich garantierten festen Bezüge, die Aufsichtsratstantieme für 2008 (basierend auf den Geschäftsergebnissen von 2007), die in 2008 gewährten Langfristvergütungen sowie Sitzungsgelder und Ausschussvergütungen. In der aktuellen Studienausführung wurden vor dem Hintergrund der schwierigen Wirtschaftslage erstmals Szenario-Betrachtungen eingeführt. Konkret wird die Entwicklung der Aufsichtsratsvergütung unter der Vorgabe eines Geschäftsverlaufs wie 2007, einer um 10% sowie um 50% schlechteren Entwicklung.

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