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17. August 2007

Zeitarbeit und faire Bezahlung - Interview mit Monika Ege

Rubrik: Zeitarbeit

Das Zeitarbeitsunternehmen „Mobile Zeitarbeit Ege GmbH“ (Mo-Z-Art) reagiert auf den Umstand, dass Zeitarbeiter durch ihren teilweise erschreckend niedrigen Lohn und der daraus resultierenden niedrigen Arbeitsmotivation, beim Entleiher eine schlechte Arbeitsleistung zeigen. Mit fairen Tarifen für Zeitarbeit versucht Mo-Z-Art die Motivation seiner Zeitarbeiter zu stärken und das Entleihen dadurch attraktiver zu machen. Personaler Online hatte die Möglichkeit ein Interview mit Frau Monika Ege zu führen.

Guten Tag Frau Ege,

Sie selber sagen, dass andere Zeitarbeitsfirmen günstiger sind als Sie. Haben Sie denn dann überhaupt Kunden an die Sie Ihre teureren Zeitarbeiter verleihen?
Herr Reiß, so viel teurer sind wir doch gar nicht! Wenn überhaupt. Wir kalkulieren nur anders, und können so unseren Mitarbeitern mehr auszahlen. Darüber hinaus haben wir Kunden, die genau dieselbe Ansicht haben wie wir auch. Einer arbeitet bei einem großen Systemhaus und seine Aussage ist: „Lieber zahle ich mehr und habe einen qualifizierten, guten und motivierten Mitarbeiter, als an der falschen Stelle zu sparen und dann jemanden für mich arbeiten zu lassen, der nicht ganz so gut ist, sich womöglich nebenher schon nach einem anderen Job umsieht und mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter herumläuft. Der vergrault mir doch meine Kunden!“
Das spricht doch für sich, oder? Schauen Sie, je qualifizierter jemand ist, desto schwieriger ist er zu ersetzen. Gerade der Bereich IT, da sind viele Stellen offen. Unter anderem weil die Anforderungsprofile so spezifisch sind, dass Sie dort nicht einfach jemanden hinschicken können, der mal einen PC gesehen hat, überspitzt ausgedrückt. Das wissen unsere Kunden auch, dass das dann eben auch über den Preis geht.

Zum verdeutlichen: Wir hatten einen Auftrag von einem noch größeren Systemhaus, das dieses Jahr noch 300 Stellen besetzen möchte. Unsere Bewerber fanden sie gut, aber wollten uns genauso wenig bezahlen, wie einem großen überregionalen Konkurrenzunternehmen von uns, dass zu diesem Preis nicht genügend Bewerber findet. Daraufhin kam eine Zusammenarbeit nicht zustande

Aus welchen Gründen möchten Firmen von Ihnen und nicht von anderen Zeitarbeitsfirmen Arbeiter entliehen bekommen?
Wir treten im Markt anders auf, als die meisten. Wir sind bunter, frecher, die Spur pfiffiger. Das erzeugt Aufmerksamkeit. Dann überzeugen wir durch unsere Kompetenz, unser Talent genau die richtigen Menschen für das Unternehmen zu finden. Wichtig ist nämlich, dass das Unternehmen und der Bewerber zusammenpassen, nicht allein seine Qualifikation.

Bringt der Mehrlohn aus Arbeitgeberperspektive im Endeffekt etwas? Sind die Firmen die bei Ihnen Arbeiter leihen immer zufrieden mit deren Motivation?
Das Wort „immer“ ist heikel. Gehen Sie doch mal von sich selber aus, Herr Reiß. Wann arbeiten Sie lieber: Wenn Sie zwar Vollzeit arbeiten, das Geld vorne und hinten nicht reicht und Sie das Gefühl haben ausgenutzt zu werden? Oder wenn Sie gut oder zumindest fair bezahlt werden?
Ganz klar: Geld ist nicht der alleinige Faktor. Dazu kommt Respekt, Anerkennung und Spaß an der Arbeit. Aber selbst wenn das alles stimmt, gibt es Tage, an denen Sie nicht motiviert sind - das ist menschlich, normal.
Wir stecken aber auch nicht überall drin, wir wissen nicht was im Team passiert, ob die Unternehmensphilosophie so gelebt, wie sie kommuniziert wird. Denn auch das sind Faktoren bei dem Thema Motivation.
Aber kurz gesagt: Ja, unsere Kunden sind zufrieden -und kommen wieder.

Sie propagieren auf Ihrer Homepage einen  freundlichen und fairen Umgang mit Kunden, Mitarbeitern und Bewerbern. Sind Sie demnach nicht offen für Kunden, die ihre Stammbelegschaft gegen Zeitarbeiter von Ihnen austauschen möchten?
Was befürchten Sie, wenn Sie eine solche Frage stellen? Dass es in Zukunft gar keine Festanstellungen, wie wir sie heute noch kennen, mehr geben wird? Dass die Arbeitnehmer einer noch größeren Unsicherheit gegenüberstehen? Noch größere Zukunftsängste haben werden?

Lassen Sie mich anhand eines Beispiels erklären, warum Zeitarbeit, Arbeitnehmerüberlassung, Personalleasing oder wie auch immer man das Kind nennen mag, nicht das schlechteste ist, was einem Menschen außer der Arbeitslosigkeit passieren kann:
Unsere Kunden sind im Normalfall so von unseren Mitarbeitern angetan, dass sie diese spätestens nach einem halben Jahr fest einstellen. Das ist unter dem Begriff „Klebeeffekt“ in der Branche bekannt und ist durchaus weit verbreitet. Bei einem Kunden war das genauso. Die „Schwierigkeit“ für unsere Mitarbeiter dabei war: sie verdienten bei uns Netto mehr als bei unserem Kunden.

Noch ein Beispiel: Wir haben zurzeit zwei Bewerber, beide schon lange arbeitslos, aber durchaus qualifiziert. Beide sprechen kein Englisch, was häufig der Grund war, warum sie „aussortiert“ wurden. Durch unsere Kooperation mit einem Bildungsträger vor Ort können wir beiden diese Weiterbildung ermöglichen.
Und Sie glauben doch nicht wirklich, dass eine Festeinstellung wesentlich mehr Sicherheit bietet? Es ist schwieriger, diese Mitarbeiter zu entlassen, klar -aber nicht unmöglich. Kein Arbeitgeber wird Angestellte behalten, wenn er keine Aufträge hat, um diese zu beschäftigen und zu bezahlen. Dann stehen diese Beschäftigten auf der Straße. Während bei einer Zeitarbeitsfirma im Regelfall der Folgeauftrag wartet.
Mal völlig davon abgesehen, dass ein solcher Fall (ein Unternehmer tauscht Stammbelegschaft gegen Zeitarbeiter aus) selbst in der Produktion, dass ja der klassische Einsatzort von Zeitarbeitern ist, niemals vorkommen wird, ist bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt zu sein, auch nicht viel anders als irgendwo fest angestellt zu werden. Klar kommt es darauf, bei welcher Firma das macht. Ich persönlich würde mich nicht bei den großen, überregionalen oder sogar internationalen Zeitarbeitsfirmen bewerben. ;)

Was ist aus Ihrer Sicht ein faires Gehalt?
Das ist eine gute Frage. Was heißt „fair“ in der Arbeitswelt? In wieweit kann man als Arbeitgeber gerecht bezahlen? Das ist ein sehr komplexes Thema und Stoff einiger Diskussionen.
Soviel muss dabei berücksichtigt werden: Welche Qualifikationen bringt ein Bewerber mit? Welche kann er anhand von Zeugnisse nachweisen und welche kann er wirklich? In welchem Bereich wird er eingesetzt? Was ist der Kunde bereit zu bezahlen? Um nur einige Aspekte zu nennen.
Wenn ich das mal salopp formulieren darf: Fair ist, wenn ein Mensch, der Vollzeit arbeitet, kein Hartz IV beantragen muss, um sein Leben zu finanzieren.
Ich habe noch ein Beispiel: Einer unserer Mitbewerber auf dem Markt hat Call Center Agents verliehen und der Firma einen Satz von 25€ pro tatsächlich gearbeiteter Stunde berechnet, von den 25€ erhielten die Mitarbeiter maximal 9€. OK, die Zeitarbeitsfirmen zahlen davon ja die ganzen Lohnnebenkosten, Urlaub, Krankheit und so weiter. Trotzdem würden wir bei diesem Verrechnungssatz 11.50€ zahlen können. Also 2,50€ mehr auf die Stunde. Rechnen Sie das auf den Monat hoch: 400€ brutto mehr! Das ist fair!
Fair heißt hier also: Ausgewogen - so dass der Unternehmer, der Arbeitnehmer und wir zufrieden sind.

Was halten Sie von einem staatlich aufgezwungenen Mindestlohn für Zeitarbeiter?
Es ist traurig, dass der Gesetzgeber hier eingreifen muss! Und 7€ sind da immer noch zu wenig! Das sind ca. 1120€ im Monat brutto bei einer 40 Stunden Woche. Allein stehend, ohne Kinder bleiben einem nicht ganz 850€. Ehrlich: Wer soll davon leben? Könnten Sie das?

Vielen Dank für das Interview.

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