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7. April 2008

Transparenz in der Vorstandsvergütung verbessert

Die Bezüge von Vorständen der im DAX notierten Unternehmen haben sich im zurückliegenden Geschaftsjahr moderat entwickelt. Während der kummulierte Gewinn nach Steuern der DAX-Unternehmen bei 73 Mrd. Euro und damit rund 18% über dem Vorjahreswert liegt und auch der Gewinn pro Aktie im DAX um durchschnittlich 12% gestiegen ist, verharrte die durchschnittliche Gesamtvergütung von 29 der 30 Vorstandsvorsitzenden einschließlich Altersversorgung mit rund 4,86 Mio. Euro auf Vorjahresniveau. Die Gesamtvergütung eines Ordentlichen Vorstandsmitgliedes sank sogar um rund 1% auf 2,71 Mio. Euro (Angaben ohne SAP).

Ein Vergleich der Vergütung der 22 Konzernlenker, die in den Jahren 2006 und 2007 ganzjährig im Amt waren, zeigt, dass die durchschnittliche Gesamtvergütung innerhalb dieser Vergleichsgruppe um rund 8,7% auf 5,25 Mio. Euro gewachsen ist. Angesichts eines Anstieges der Grundvergütung von 3,2% resultiert der Vergütungszuwachs vor allem aus den erfolgsorientierten kurzfristigen variablen Bezügen - ein Ergebnis, das im Einklang mit der erfolgreichen Geschäftsentwicklung im Jahr 2007 steht. Bei 14 der 22 Vorstandsvorsitzenden hat sich die Grundvergütung nicht erhöht.

Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse "Geschäftsberichtsauswertung Vorstandsvergütung DAX 2007" der Management-Beratung Towers Perrin. Die Studie basiert auf den Angaben der DAX-Unternehmen in ihren Jahresabschlussberichten, in denen zum zweiten Mal nach Inkrafttreten des Vorstandsoffenlegungsgesetzes (VorstOG) die Bezüge aller Vorstände individuell auszuweisen waren.

Michael H. Kramarsch, Managing Director Towers Perrin, interpretiert den Gleichklang von Geschäftsentwicklung und Vorstandsbezügen als Beleg für eine Professionalisierung der Vergütungssysteme: "Vor dem Hintergrund der erfolgreichen Geschäftsjahre ist der aktuelle Vergütungsanstieg konsequent, insbesondere da der Vergütungszuwachs auf Basis der variablen Bezüge erfolgt ist. Grundgehaltserhöhungen gibt es so gut wie keine." Die existierende strukturelle Ausgewogenheit der Vergütungselemente sei Grundlage dafür, dass die Vergütung des Top-Managements atmen kann. "Sollte die Kapitalmarktkrise weiter anhalten, werden wir für das aktuelle Geschäftsjahr schwächere Unternehmensergebnisse und damit auch in der Breite deutlich geringere Vergütungshöhen verzeichnen - das wird der Lackmustest." Kramarsch sieht die Ausgestaltung der Vorstandsvergütung wie auch die deutschen Publizitätspflichten auf internationalem Niveau, wenngleich an zentralen Stellen noch Handlungsbedarf gegeben ist.

Optimierte Transparenz, aber weiter Defizite im individualisierten Ausweis

Die Towers Perrin-Analyse verzeichnet eine weiter gestiegene Transparenz im qualitativen und quantitativen Ausweis der Top-Managementvergütung. Diese beruht nicht zuletzt auf einer Konkretisierung des Vorstandsoffenlegungsgesetzes (VorstoG) durch die Neuregelung DRS 17 des Deutschen Standardisierungsrates, die unmittelbar vor der Veröffentlichung im Bundesanzeiger steht, deren Anwendung aber bereits für das zurückliegende Geschäftsjahr empfohlen wird - eine Empfehlung, der aber erst ein Teil der DAX-Unternehmen nachgekommen ist.
"Obgleich der neue Standard einen weiteren großen Schritt in Richtung sinnvolle Transparenz beim individuellen Vergütungsvergleich verkörpert, besteht weiter Handlungsbedarf, insbesondere bei der Gleichbehandlung von aktien- und kennzahlenbasierten Langfristvergütungen und beim quantitativen Ausweis der Altersversorgung", erklärt Corporate Governance Experte Michael H. Kramarsch.

Größter Handlungsbedarf beim Ausweis von Pensionsaufwendungen

Der Fakt einer weitgehend stabilen Grundvergütung bei den meisten Top-Managern im DAX ist mit Blick auf die Pensionsbezüge von Bedeutung, da die Festvergütung bei vielen Altsystemen noch die Bezugsgröße für Pensionsansprüche ist. Allerdings ist gerade mit Blick auf die Pensionsaufwendungen der Unternehmen für ihre Vorstände noch immer keine volle Transparenz gegeben. Die Spezifizierungen der entsprechenden VorstOG-Regelungen durch DRS 17 fordern zwar eine qualitative Beschreibung der Zuwendungen, mit Ausnahme von Festrenten aber noch keinen einheitlichen quantitativen Ausweis der jährlich erworbenen Pensionsansprüche eines Managers.
"Dieses Regelungsdefizit schlägt sich entsprechend in den Jahresabschlüssen nieder", so Dirk Filbert, Senior Consultant bei Towers Perrin und Studienautor. Filbert fährt fort: "Externe Betrachter bekommen aber immerhin ein Gefühl für die Situation - ein exakter, detaillierter Vergleich der Aufwendungen ist dennoch nach wie vor selbst für Experten nicht möglich."

Performance-Orientierung weiter gefestigt

Bei der strukturellen Zusammensetzung der Bezüge von Vorstandsmitgliedern sind im Vergleich zum Vorjahr kaum Veränderungen zu verzeichnen. Laut Analyse repräsentiert die durchschnittliche Grundvergütung eines DAX-Vorstandsvorsitzenden rund ein Fünftel der Gesamtvergütung (wie 2006: 20%). Nach wie vor steht die jährliche kurzfristige Vergütung (Bonus/Tantieme) für den mit Abstand größten Anteil an der Vergütung eines DAX-Vorstandsvorsitzenden (43%, 2006: 41%), Altersversorgung samt Nebenleistungen entsprechen einem 15-prozentigem Anteil. Zugleich ist der Anteil der - zumeist aktienbasierten - Langfristvergütungen an der Gesamtvergütung auf 21% leicht gesunken (2006: 23%). Damit sind die deutschen Unternehmen weit entfernt von der amerikanischen Vergütungspraxis, wo Aktienoptionen und andere Long-term-Incentives in Einzelfällen bis zu 90% der Gesamtbezüge eines Top-Managers ausmachen können.
Für die Ordentlichen Vorstandsmitglieder ergibt sich ein analoges Bild wie für die Vorsitzenden mit leicht abgewandelten Werten.

Diskussion um Vorstandsvergütung und Transparenz nicht beendet

Mit VorstOG und DRS 17 haben sich die deutschen Publizitätsvorschriften grundsätzlich den internationalen Standards weiter angenähert. Dennoch ist, wie insbesondere die aktuellen Initiativen der verschiedenen politischen Lager zeigen, die Diskussion um die Managementvergütung - in ihrer Höhe sowie in ihrem individualisierten Ausweis - noch nicht beendet.

Von den maßgeblichen Protagonisten fordert Towers Perrin-Berater Kramarsch eine stärkere Einbeziehung externer Expertise sowie die Bereitschaft, Unternehmen als Organisationen mit dem grundsätzlichen Willen zu einer guten Corporate Governance anzusehen: "Was wir brauchen, ist eine sinnvolle Transparenz, die eine Beurteilung der Angemessenheit und Ausgestaltung der Vorstandsvergütung erlaubt. Insbesondere die DAX-Unternehmen haben in diesem Zusammenhang gezeigt, dass sie willens und in der Lage sind, den gestiegenen Anforderungen in Fragen der Top-Managementvergütung nachzukommen". Der Corporate Governance-Experte verweist darauf, dass die Unternehmen nicht mehr, sondern durchdachtere, praxisnahe Vorgaben benötigen, die im Sinne der relevanten Kapitalmarktakteure Transparenz bei Vergütungsstrukturen und -höhen schaffen.

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