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21. Juli 2008

Verhaltenes Echo der Betriebe zum Ausbildungsbonus für Altbewerber

Selbst bei entsprechender finanzieller Unterstützung kann sich die Hälfte aller Betriebe nicht vorstellen, zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche zur Verfügung zu stellen, die sich seit mindestens einem Jahr vergeblich um eine Ausbildungsstelle bemühen. Nur für jeden sechsten Betrieb käme dies in Betracht. Ein weiteres Drittel ist in dieser Frage noch unschlüssig. Dies sind die Ergebnisse einer repräsentativen Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aus dem Frühjahr 2008 zum Ausbildungsbonus. Dieser sieht für Betriebe, die ab dem 1. August einen so genannten "Altbewerber" zusätzlich aufnehmen, staatliche Förderleistungen von bis zu 6.000 Euro vor. Befragt wurden im "BIBB-AusbildungsMonitor" - einer regelmäßigen Online-Befragung unter Personal- und Ausbildungsverantwortlichen - rund 2.400 Betriebe. Die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage sind veröffentlicht in der neuesten Ausgabe von BIBB REPORT, Heft 5/08.


Bereitschaft vor allem bei ausbildenden Betrieben

Deutliche Unterschiede bei der Bewertung des Ausbildungsbonus gibt es zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Betrieben. Für zwei von drei nichtausbildenden Betrieben stellt der Ausbildungsbonus keinen Anreiz dar, entsprechende Stellen anzubieten. Dagegen konnte sich jeder vierte Ausbildungsbetrieb vorstellen, sein bisheriges Angebot aufgrund des Ausbildungsbonus um durchschnittlich 20 % aufzustocken. Unter den Betrieben ohne Ausbildungsabsichten für das kommende Ausbildungsjahr zieht nur jeder zehnte diese Möglichkeit in Betracht.


Je höher der Qualifikationsbedarf, desto weniger Interesse

In Betrieben mit einem höheren Qualifikationsbedarf werden durch den Bonus voraussichtlich nur wenige Zusatzstellen für Altbewerber geschaffen. Hatten Betriebe im März 2008 schon Verträge mit Realschulabsolventen oder Bewerbern mit Fach- und Hochschulreife abgeschlossen, so nimmt ihre Bereitschaft, zusätzliche Stellen für Altbewerber anzubieten, auf bis zu 9 % ab. Dagegen waren Betriebe, die Verträge mit Hauptschulabsolventen abgeschlossen hatten, mit rund 47 % weit überdurchschnittlich dazu bereit, weitere "marktbenachteiligte" Jugendliche aufzunehmen. Ausbildungswillige Betriebe, die im März noch keine Vertragsabschlüsse mit Jugendlichen aufweisen konnten, zeigten sich zu 27 % am Bonus interessiert.

Fachkräftebedarf fördert Bereitschaft für Ausbildungsbonus

Mit zunehmendem Arbeitskräftebedarf wächst die Bereitschaft der Betriebe, zusätzliche Ausbildungsstellen für Altbewerber zu schaffen. Beabsichtigen Betriebe in den nächsten zwei Jahren, Arbeitsstellen zu besetzen, so will jeder vierte zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten. Insbesondere gilt dies für Betriebe, bei denen Arbeitsstellen für beruflich qualifizierte in Kombination mit un- bzw. angelernten Arbeitskräften zu besetzen sein werden. Wenn Betriebe allerdings keinen Bedarf an Arbeitskräften sehen, kann weniger als ein Prozent sich vorstellen, Zusatzangebote zu schaffen.

Großbetriebe eher nicht am Ausbildungsbonus interessiert

Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten sind im Vergleich zu größeren mittelständischen Firmen und Großunternehmen weit eher bereit (Faktor 2,7), Altbewerber zusätzlich auszubilden. Damit könnte der Bonus zu einer Stärkung der Ausbildungsbeteiligung kleinerer Betriebe führen, die in der Vergangenheit immer weniger ausgebildet haben.

Unterschiedliche Einschätzungen in Branchen

Besonders im Dienstleistungssektor stößt der Ausbildungsbonus auf Interesse, wodurch es zu einer weiteren Anpassung des dualen Ausbildungssystems an die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft kommen könnte. Aufgeschlüsselt nach unterschiedlichen Branchen zeigen - neben der Verbrauchs- und Produktionsgüterindustrie - insbesondere die Bereiche Verkehr- und Nachrichtenwesen, das Gastgewerbe, Gesundheits- und Veterinärwesen sowie sonstige Dienstleistungen (z. B. Entsorgungswirtschaft, Reinigungs- und Körperpflegebranche) eine überdurchschnittliche Bereitschaft, Altbewerber aufzunehmen. Auf Ablehnung stößt der Ausbildungsbonus insbesondere bei Unternehmen aus der Kredit- und Versicherungswirtschaft sowie bei Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung plant Ende des Jahres eine zweite Umfrage innerhalb des "BIBB-AusbildungsMonitors", um zu untersuchen, ob und in welcher Weise der Ausbildungsbonus für Altbewerber tatsächlich von den Betrieben genutzt worden ist.

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