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29. November 2007

Vorstandsgehälter, ein Überblick

Die teils erheblichen Zuwächse in der Vorstandsvergütung von deutschen Vorständen wie zuletzt bei Porsche sind mit Blick auf die vergangenen 30 Jahre fast ausschließlich auf die Top 100 Unternehmen (mehr als fünf Milliarden Euro Jahresumsatz) beschränkt. Hier stiegen die Vorstandsgehälter von 1976 bis 2005 durchschnittlich auf das achtfache, von durchschnittlich 225.000 Euro auf 1,8 Millionen Euro. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von rund 7,45 Prozent. Betrachtet man die Vergütung der „anderen“ etwa 1.400 von Kienbaum erfassten Aktiengesellschaften in Deutschland, so stiegen die Vorstandsbezüge im Beobachtungszeitraum um durchschnittlich 4,25 Prozent pro Jahr von 132.000 Euro auf 440.000 Euro.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Einkommenssteigerungen der Vorstände über sämtliche Unternehmen hinweg durchaus in etwa im Gleichklang mit der allgemeinen Lohn- und Gehaltsentwicklung stattfand (durchschnittlich plus 4,15 Prozent pro Jahr). Während in den 80er Jahren und frühen 90er Jahren insbesondere die Gehälter des Mittelsmanagements leicht stärker wuchsen, so fiel diese Gruppe relativ gesehen in den vergangenen Jahren geringfügig zurück: durchschnittlich 4,0 Prozent über die letzten 30 Jahre. Dies sind Ergebnisse der Studie „30 Jahre Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung in Deutschland“, erstellt auf Basis der Vergütungsdaten der Kienbaum Management Consultants GmbH von 1976 bis heute.

„Die Debatte um zu hohe Vorstandsgehälter ist zu einem Gutteil zu emotional geprägt. Tatsächlich ist es so, dass lediglich die Vorstände der Top 100 Unternehmen überdurchschnittlich hinzugewonnen haben. Der Großteil der deutschen Vorstände aber befindet sich im Gleichschritt mit dem allgemeinen Lohn- und Gehaltsniveau. Ein Stück weit lässt sich die Abkoppelung in den Top 100 Unternehmen mit der gewachsenen Komplexität der Aufgaben sowie der Angleichung an internationale Standards erklären. Allerdings kommt in deutschen Konzernvorständen die Verbindung von Vergütung und langfristiger Wertentwicklung nach wie vor zu kurz“, sagt Alexander v. Preen, Geschäftsführer der Managementberatung Kienbaum.

Gehaltstreiber Globalisierung: Rasante Entwicklung ab den 90er-Jahren

Die Entwicklung der Vorstandsgehälter in den Top 100 Unternehmen verlief bis Mitte der 90er Jahre nur unwesentlich schneller als die Einkommensentwicklung der den anderen Unternehmensklassen und relativ parallel zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes. Erst seit Ende der 90er Jahre stiegen die Bezüge deutlich stärker. Betrug das Verhältnis zwischen Leitenden Angestellten der 1. Führungsebene zu ihren Vorständen in den Top 100 Unternehmen lange Jahre etwa das Verhältnis 6 zu 1, ist dieses heute bei 15 zu 1.  Noch deutlicher verhält es sich beim Verhältnis zwischen Arbeitern/Angestellten und den Top 100 Vorständen. Verdienten Top – Manager zwischen 1976 und 1996 etwa das 15 bis zwanzigfache, so beträgt das Verhältnis heute etwa 43 zu 1.

Verlierer Mittelmanagement?

Insgesamt haben sich die Unterschiede im Gehalt zwischen Arbeitern/Angestellten und dem Mittelmanagement leicht nivelliert. Über sämtliche Unternehmen betrachtet verdiente im Jahr 1975 ein Leitender Angestellter rund das Dreifache eines Arbeiters/Angestellten; im Jahr 2005 war es noch das 2,85-fache. Ähnlich verhält es sich beim Vergleich zwischen Vorständen und Leitenden Angestellten. Ein durchschnittlicher Vorstand verdiente 1986 etwa das 2,5 -fache eines Leitenden Angestellten. Heute hingegen ist es das 3,7-fache.

Langfristig vergüten

Ein wichtiger Faktor für Transparenz und Messbarkeit der Vorstandsgehälter sind variable Komponenten, die heute nahezu alle Vorstände erhalten (1976: zwei Drittel). Ein großer Teil der Steigerungen der Vorstandsvergütung der Top 100 Unternehmen ist auf diese Entwicklung zurückzuführen. Derzeit liegt der durchschnittliche Anteil kurzfristiger variabler Vergütung bei etwa einem Drittel des Gesamtgehaltes. Eine überdurchschnittliche Ertragslage führte bereits 1976 zu einem Plus von 15 Prozent gegenüber einer vergleichbaren, durchschnittlichen Vorstandsvergütung. Eine unterdurchschnittliche Performance schlug mit einem Minus von 12 Prozent zu Buche. Diese Spannen haben sich in den vergangenen 30 Jahren auf Plus 20-30 Prozent bzw. Minus 15-20 Prozent vergrößert.

Noch immer nicht in geeigneter Größenordnung durchgesetzt haben sich flächendeckende Long-Term-Incentives. Diese koppeln die Bezüge stärker an die langfristige und nachhaltige Wertentwicklung des Unternehmens.

Unterbezahlte Aufsichtsräte

Vergleicht man die Entwicklung der Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten fällt auf, dass die Bezahlung der Aufsichtsräte vor allem mit Blick auf die gestiegene Verantwortung deutlich hinterherhinkt. Rund 50 Prozent der Unternehmen vergüten ihre Aufsichtsräte mit weniger als 10.000 Euro im Jahr.  Während die Bezüge der Vorstände seit 1976 um 4,25 Prozent pro Jahr stiegen, wuchsen die Aufsichtsratsbezüge im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 2,95 Prozent pro Jahr. Dies liegt nur knapp über dem Anstieg des Preisniveaus.

Abgesehen von der absoluten Höhe ist es die Relation der Aufsichtsratsvergütung zur Vorstandsvergütung, die aufhorchen lässt. Betrug das Verhältnis zwischen Kontrolleur und Kontrolliertem 1963 noch angemessene 1 zu 8, so bringt das Verhältnis von heute 1 zu 26 zum Ausdruck, wie gering die Aufsichtsratstätigkeit in Deutschland geschätzt wird. „Die gestiegene Verantwortung der Aufsichtsräte muss sich auch in der Vergütung niederschlagen. Hier hinkt Deutschland deutlich den internationalen Entwicklungen hinterher“, sagt Karl-Friedrich Raible, Bereichsleiter bei Kienbaum und verantwortlich für die Studie. 

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